Bausparvertrag kündigen

Alles Wissenswerte und Tipps

  1. Was sind übliche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen?
  2. Was muss man bei der Kündigung beachten?
  3. Gibt es Alternativen zur Kündigung?
  4. Besitze ich Sonderkündigungsrechte

Bausparverträge

In Deutschland gibt es zwölf private Bausparkassen und zehn Landesbausparkassen, abgekürzt LBS. Die zwölf privaten Bausparkassen sind Wüstenrot, ­Deutscher Ring, Bausparkasse Mainz, Signal Iduna, BHW, Schwäbisch Hall, BSQ Bauspar, Aachener Bausparkasse, Debeka und Deutsche Bank Bauspar AG. Insgesamt haben die Bausparkassen fast dreißig Millionen Kunden in Deutschland. 

Falls du auch dazugehörst, musst du den Bausparvertrag nicht bis zum Vertragsende laufen lassen. Du kannst vorzeitig den Bausparvertrag kündigen, falls du das eingezahlte Geld benötigst oder dir sicher bist, niemals eine Immobilie zu bauen oder zu kaufen. Die Kündigung des Bausparvertrags ist nach Zahlung der Abschlussgebühr jederzeit möglich. Wenn du deinen Bausparvertrag kündigen willst, musst du die Kündigungsfrist beachten, die in dem Vertrag steht. Die Bausparkassen berechnen Zinsen und Gebühren für eine vorzeitige Auflösung. Außerdem müssen Fördergelder wie Arbeitnehmersparzulage, Wohnungsbauprämie oder Riesterförderung zurückgezahlt werden. 

Statt den Bausparvertrag zu kündigen, kannst du auch den Vertrag ruhen lassen, die Bausparsumme herabsetzen, den Bausparvertrag teilen oder einen Verwandten fragen, ob er den Vertrag übernimmt. Da bei der Kündigung eines Bausparvertrags viele Punkte zu beachten sind, ist es ratsam, mit dem Berater der Bausparkasse zu sprechen.

Was sind übliche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen?

Das Bausparen ist fast immer eine langfristige Angelegenheit. Viele Auszubildende oder junge Arbeitnehmer schließen einen Bausparvertrag ab, weil sie später eine Immobilie kaufen oder bauen möchten. Weil Wohnungen oder Häuser sehr teuer sind, wird oft eine hohe Bausparsumme vereinbart. Du musst einen bestimmten Anteil der Bausparsumme ansparen, bevor du den restlichen Teil als Darlehen zu besonders günstigen Konditionen erhältst. Die meisten Standardverträge laufen darum 18 bis 20 Jahre. In den ersten acht Jahren sparst du durch deine Einzahlungen den vereinbarten Teil der Bausparsumme an. Am Anfang werden die Einzahlungen für die Abschlussgebühr genommen, die für jeden Bausparvertrag gezahlt werden muss. Du kannst den Bausparvertrag kündigen, sobald die Abschlussgebühr bezahlt ist. Die Kündigungsfrist beträgt zwischen drei und sechs Monaten, die genaue Frist steht in deinem Vertrag.

Was muss man bei der Kündigung beachten?

Wenn du deinen Bausparvertrag kündigen möchtest, musst du die Kündigung per Fax oder Einschreiben an die Bausparkasse schicken. Gib die Vertragsnummer an und zu welchem Datum du den Vertrag kündigst. Du musst der Bausparkasse nicht begründen, warum du den Bausparvertrag kündigen willst. Die Bausparkasse prüft nach Eingang der Kündigung, in welcher Phase sich der Bausparvertrag befindet. Es werden Ansparphase und Tilgungsphase unterschieden. Du kannst ganz einfach über uns online kündigen.

Wenn du noch in der Ansparphase bist, prüft die Bausparkasse, ob die Abschlussgebühr schon bezahlt ist und ob du die vereinbarte Kündigungsfrist eingehalten hast. Die Abschlussgebühr bekommst du nicht zurück. Hältst du die Kündigungsfrist nicht ein, kann die Bausparkasse Zinsen für die vorzeitige Auszahlung berechnen. Diese Zinsen heißen Vorschusszinsen. Sie betragen bei den meisten Verträgen ein Prozent des angesparten Kapitals pro Monat vorzeitiger Auszahlung. Deine Einzahlungen in den Bausparvertrag werden verzinst. Bei einer Kündigung berechnet die Bausparkasse den eingezahlten Gesamtbetrag plus Zinsen und zieht davon die Abschlussgebühr und die Vorschusszinsen ab. 

Hast du für deinen Bausparvertrag staatliche Förderungen, wie Wohnungsbauprämie, Riesterförderung oder Arbeitnehmersparzulage ­erhalten, müssen diese Förderungen eventuell bei einer Kündigung des Bausparvertrags zurückgezahlt werden. Die Rückzahlungspflicht besteht immer dann, wenn die gesetzliche Bindungsfrist für die staatlichen Zulagen noch nicht abgelaufen ist­. 

Diese Frist beträgt zum Beispiel bei der Wohnungsbauprämie sieben Jahre. Die Prüfung und die Rückzahlung übernimmt die Bausparkasse. Sie zieht die Fördergelder von dem ausgezahlten Betrag ab und überweist sie an die zuständige Stelle. Das Geld, das nach diesen Berechnungen übrig bleibt, wird auf das Konto überwiesen, das du in deinem Kündigungsschreiben angegeben hast oder von dem die Bausparbeiträge bisher abgebucht wurden. Durch die Kündigung des Bausparvertrags geht dein Anspruch auf ein zinsgünstiges Bauspardarlehen verloren.

Befindest du dich in der Tilgungsphase, hast du das Darlehen bereits in Anspruch genommen und zahlst es zurück. In dieser Phase kannst du den Bausparvertrag kündigen, indem du die restliche Kreditsumme auf einmal einzahlst. Für die vorzeitige Ablösung entstehen dir keine Kosten und es werden keine Vorschusszinsen berechnet.

Gibt es Alternativen zur Kündigung?

Wenn du das Bausparen beenden möchtest, weil dir die monatlichen Beiträge zu hoch sind, gibt es auch Alternativen zur Kündigung. 

Beitrag herabsetzen

Du kannst mit der Bausparkasse sprechen, ob die Bausparsumme herabgesetzt wird. Dadurch musst du jeden Monat weniger Geld in den Bausparvertrag einzahlen, behältst dafür aber alle anderen Vorteile. Wird ein Bausparvertrag geteilt, kommt es zu einer schnelleren Zuteilung eines Vertrages. So kannst du für einen Teil das günstige Bauspardarlehen in Anspruch nehmen und zahlst für den anderen Teil einen niedrigeren Beitrag. 

Übernahme durch Verwandten

Du kannst aber auch einen Verwandten fragen, ob er deinen Bausparvertrag übernehmen möchte. Wenn dein Angehöriger einverstanden ist, kann er dir das angesparte Kapital plus Zinsen auszahlen. Dafür darf er den Vertrag zu denselben Bedingungen übernehmen und auch die Wohnungsbauprämie behalten. Die Übernahme ist nur durch einen Verwandten möglich, einer Weitergabe an Dritte stimmen die Bausparkassen nur in wenigen Ausnahmefällen zu.

Bausparvertrag ruhen lassen

Eine weitere Alternative ist es, den Bausparvertrag ruhen zu lassen. Dazu informierst du die Bausparkasse, dass du für einige Zeit keine Einzahlungen mehr vornimmst. Falls die Bausparkasse die Beiträge von deinem Konto abbucht, musst du ihr die Einzugsermächtigung entziehen. Falls du von deinem Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen erhältst, kannst du diese auf den Bausparvertrag überweisen lassen.

Besitze ich Sonderkündigungsrechte?

In bestimmten Situationen können Kunden den Bausparvertrag kündigen, ohne dass Zinsen oder Gebühren belastet werden. Auch die staatlichen Zulagen müssen nicht zurückgezahlt werden. Dazu musst du der Bausparkasse nachweisen, dass du seit mehr als einem Jahr arbeitslos bist. Auch bei völliger Erwerbsunfähigkeit ist eine Sonderkündigung möglich. Falls du stirbst, können deine Angehörigen oder deine Erben ebenfalls den Bausparvertrag kündigen, ohne dass ihnen finanzielle Nachteile entstehen. Bei einer Kündigung des Bausparvertrags wegen Arbeitslosigkeit, Erwerbslosigkeit oder Tod besteht aber kein Anspruch mehr auf ein Bauspardarlehen.

veröffentlicht am 04.05.2014

Bild von Jonas Franke

Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
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