Die betriebliche Altersvorsorge kündigen

Das musst du beachten

Eine Betriebsrente ist neben der gesetzlichen Rente eine gute Möglichkeit, für das Rentenalter vorzusorgen. Immerhin profitieren viele Arbeitnehmer dabei von steuerlichen Vorteilen und Leistungen durch den Arbeitgeber. Die betriebliche Altersvorsorge zu kündigen, ist jedoch nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Erfahre in unserem Ratgeber, was es dabei zu beachten gibt.

  1. Vor- und Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge
  2. Welche Gründe sprechen für den Wunsch, die betriebliche Altersvorsorge zu kündigen
  3. Kann man die betriebliche Altersvorsorge überhaupt kündigen?
  4. Welche Alternativen gibt es zum Kündigen der betrieblichen Altersvorsorge?

Mit der betrieblichen Altersvorsorge erhalten Arbeitnehmer eine Chance, die Lücke zu schließen, die nach jetzigem Wissensstand zwischen der zu erwartenden gesetzlichen Rente und dem tatsächlichen Bedarf klafft. Im Vergleich zu den Möglichkeiten der privaten Vorsorge hat die sogenannte Betriebsrente viele Vorteile: Einerseits beteiligen sich viele Arbeitgeber an den Beiträgen oder übernehmen sie sogar ganz und andererseits werden die selbst zu zahlenden Beiträge vom Bruttolohn gezahlt und müssen daher nicht versteuert werden. Die betriebliche Altersvorsorge zu kündigen, ist daher kaum ratsam und vor allem in den wenigsten Fällen möglich. Lies unseren Ratgeber, um mehr zu diesem Thema zu erfahren.

Vor- und Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) hat für einen Arbeitnehmer Vorteile, aber auch einige Nachteile, da der Arbeitgeber die Durchführungsform bestimmt. Üblich sind hierfür Pensionskassen, Pensionsfonds, Unterstützungskassen oder Direktversicherungen. Als Arbeitnehmer zahlst du in der Regel einen monatlichen Beitrag in Höhe von vier Prozent von deinem Bruttolohn entsprechend der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rente. Viele Arbeitgeber zahlen denselben Anteil zusätzlich für dich ein. Da durch die sogenannte Entgeltumwandlung von deinem Bruttolohn aber weniger Geld in die gesetzliche Rentenversicherung sowie in die Arbeitslosen- und die Pflegeversicherung eingezahlt wird, muss man hier später mit geringeren Leistungen rechnen. Nachteilig kann bei Renteneintritt kann auch der Verzicht einer Rentenzahlung zugunsten einer Kapitalauszahlung sein, da die Summe voll versteuert werden muss. Manche Arbeitnehmer möchten die betriebliche Altersvorsorge daher auch vorzeitig kündigen, um die Steuer zu sparen und stattdessen eine steuerbegünstige Form der Altersabsicherung zu wählen, wie beispielsweise die Riester-Rente.

Welche Gründe sprechen für den Wunsch, die betriebliche Altersvorsorge zu kündigen

Wer sich in einer finanziellen Krise befindet und dringenden Geldbedarf hat, spielt oftmals mit dem Gedanken, die betriebliche Altersvorsorge zu kündigen, um entweder die zukünftigen Beiträge zu sparen oder über das bisher angesparte Kapital verfügen zu können. Ein weiterer Grund kann der Wechsel des Arbeitsplatzes sein, der unter Umständen damit verbunden ist, dass der neue Arbeitgeber keine oder eine andere Art der betrieblichen Altersvorsorge anbietet. Schon an dieser Stelle wirst du, wenn du die betriebliche Altersvorsorge kündigen möchtest, als kluger Rechner feststellen, dass du sicher einen Verlust dabei machst.

Kann man die betriebliche Altersvorsorge überhaupt kündigen?

Eine Kündigung der betrieblichen Altersvorsorge vor dem Eintritt in das Rentenalter ist in der Regel nicht möglich. Der Grund dafür liegt darin, dass der Gesetzgeber die Auszahlung der gesparten Beiträge erst zu diesem Zeitpunkt vorsieht. Außerdem hast du als Arbeitnehmer keinen eigenen Vertrag mit einem Versicherer oder ähnlichem abgeschlossen, sondern dieser läuft über den Arbeitgeber. Um die betriebliche Altersvorsorge zu kündigen, gibt es allerdings Ausnahmen, zum Beispiel wenn dein Arbeitgeber die Eigenschaft als Versicherungsnehmer durch eine Verzichtserklärung auf dich überschreibt. Tritt dieser Fall ein und du möchtest die betriebliche Altersvorsorge bereits vor dem Renteneintritt kündigen, fällt die Auszahlung meistens gering aus, weil du die eingesparten Steuern und Sozialabgaben nachzahlen musst. Diese können die bis zum Zeitpunkt der Kündigung angesparte Summe im schlimmsten Fall sogar übersteigen.

Tipp: Du möchtest einen Vertrag für die Rürup-Rente kündigen? Dann lies unseren Ratgeber und erfahre, welche Punkte dabei wichtig sind. Hier bei volders.de kannst du dich außerdem darüber informieren, was zu beachten ist, wenn du einen Wohn-Riester-Vertrag kündigen möchtest.

Welche Alternativen gibt es zum Kündigen der betrieblichen Altersvorsorge?

Da es also kaum möglich ist, die betriebliche Altersvorsorge vorfristig zu kündigen, lohnt es sich unter Umständen, dass du die folgenden Alternativen prüfst:

Beitragsfreistellung

Die Beitragsfreistellung oder Herabsetzung der Beiträge ist in vielen Fällen auf Antrag möglich. Sie verhilft dir zu einer späteren Betriebsrente, die aber geringer ausfällt. Je nach Absicherungsform können außerdem Gebühren bei einem Versicherer anfallen.

Mitnahme bei einem Arbeitsplatzwechsel

Wenn du den Arbeitsplatz wechselst, musst du die betriebliche Altersvorsorge nicht kündigen. Du kannst sie entweder ruhen lassen oder die bisher angesparten Beiträge in eine neue betriebliche Altersvorsorge übertragen. Im zweiten Fall gibt es allerdings eine Einschränkung: Erst bei Verträgen, die nach 2005 abgeschlossen wurden, existiert ein Rechtsanspruch auf eine Vertragsmitnahme. Liegt der Abschluss davor, ist dies nur möglich, wenn alle beteiligten Parteien dem Procedere zustimmen.

Unverfallbarkeit der betrieblichen Altersvorsorge bei einem Arbeitgeberwechsel

Generell sind Betriebsrenten bei einem Arbeitsplatzwechsel oder auch bei Erwerbsunfähigkeit im Versicherungsdeutsch unverfallbar. Das bedeutet, dass die im Vertrag zugesicherte Altersversorgung erhalten bleibt. Der Gesetzgeber kennt jedoch auch hier Einschränkungen. Diese gelten, wenn die betriebliche Altersvorsorge ausschließlich durch den Arbeitgeber finanziert wurde und zwischen diesem und dem Arbeitnehmer keine spezielle Unverfallbarkeit vereinbart wurde. Unverfallbar sind Zusagen, wenn sie nach dem 1. Januar 2009 erteilt wurden, seit mindestens fünf Jahren bestanden haben und der Arbeitnehmer beim Ausscheiden aus dem Betrieb das 25. Lebensjahr vollendet hat. Sofern die Betriebsrente bereits vor dem 1. Januar 2001 zugesagt wurde, ist sie mit Vollendung des 30. Lebensjahrs des Arbeitnehmers unverfallbar. Für die Zeiträume dazwischen, also zwischen dem 1. Januar 2001 und dem 31. Dezember 2008, gelten zwei Bedingungen: Ist der Arbeitnehmer vor dem 31. Dezember 2013 ausgeschieden, musste er das 30. Lebensjahr vollendet haben. Beim Ausscheiden nach diesem Datum muss nur noch das 25. Lebensjahr vollendet worden sein.

Fazit: Die betriebliche Altersvorsorge kannst du als Arbeitnehmer nicht ohne weiteres vor dem Eintritt in das Rentenalter kündigen. Zwar gibt es Ausnahmen, diese sind jedoch mit großen Nachteilen und finanziellen Verlusten verbunden. Bei finanziellen Engpässen ist eine Beitragsbefreiung der bessere Weg. Bei einem Arbeitsplatzwechsel ist die betriebliche Altersvorsorge unter bestimmten Bedingungen unverfallbar.

Tipp: Auf unseren Internetseiten findest du viele Ratgeber zu anderen spannenden Themen. Erfahre zum Beispiel wie du für die Berufshaftpflicht einen Vergleich der Anbieter durchführst oder was du bei einer Transportversicherung im Vergleich beachten solltest. Interessant ist vielleicht für dich auch das Thema Kapitallebensversicherung im Vergleich zu anderen Absicherungsformen für das Alter.
Bild von Heike Jestram

Autorin ist Heike Jestram

Heike Jestram arbeitet als Autorin in Berlin. Seit 2016 unterstützt sie volders und schreibt Ratgeber
zu Verträgen und Kündigungen. Durch den digitalen Vertragsassistenten können
viele Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewinnen.
Kündige jetzt deine Verträge kostenlos mit nur einem Klick. Oder gewinne den Überblick über all deine Verträge und melde dich sofort an.
Die betriebliche Altersvorsorge kündigen
5
2 Bewertungen (5.0 Durchschnitt)