Kündigung Gewerkschaft

Alles Wissenswerte und Tipps

  1. Was sind die üblichen Kündigungsfristen bei Gewerkschaften?
  2. Gibt es Sonderkündigungsrechte für die Mitgliedschaft in Gewerkschaften?
  3. Was ist nach der Kündigung zu beachten?

Gewerkschaften in Deutschland

In Deutschland gibt es eine Vielzahl an Gewerkschaften. Zu den bekanntesten zählen unter anderem Verdi und auch die IG Metall. Bei einer Gewerkschaft handelt es sich grundsätzlich um einen Zusammenschluss von Arbeitnehmern. Diese verfolgen damit das Ziel, die eigenen Interessen gemeinschaftlich durchzusetzen. Daher kann eine Mitgliedschaft zahlreiche Vorteile bringen. So bieten Gewerkschaften ihren Mitgliedern einen kostenlosen Rechtsschutz, mit dem diese sich im Falle einer Kündigung oder anderen Nachteilen bei der Arbeit schützen können. Zudem übernehmen die Vertreter der Gewerkschaften das Aushandeln von Tarifen, sodass die Mitglieder von regelmäßigen Lohnerhöhungen profitieren.

Jedoch kommt dir nicht bei jeder Arbeitsstelle eine solche Tarifverhandlung zugute. Denn einerseits konkurrieren die verschiedenen Gewerkschaften untereinander um Mitglieder und daher ein neuer Arbeitgeber möglicherweise mit einer anderen Gewerkschaft verhandelt. Andererseits gibt es Unternehmen, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind, sodass die Vorteile nicht mehr in Anspruch genommen werden können. Letztlich gibt es eine Vielzahl von Gründen, die dazu führen können, die Mitgliedschaft bei einer Gewerkschaft kündigen zu wollen.

Die Mitgliedschaft ordentlich und fristgerecht kündigen

Übliche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen

Gewerkschaften sind in Deutschland ähnlich wie Vereine organisiert. Wie auch bei vielen privaten Vereinen verfügt jedes Mitglied über das Recht, die Vereinigung, also die Gewerkschaft, zu verlassen – unabhängig davon, ob du mit der Arbeit deiner Vertreter unzufrieden bist oder einen anderen Grund hast. Welche Fristen und Zeiträume du für einen ordentlichen Austritt einhalten musst, kann in der Regel in der Satzung nachgelesen werden. So beträgt die Kündigungsfrist beispielsweise bei Verdi drei Monate, dagegen sind es bei der IG Metall nur sechs Wochen - jeweils zum Quartalsende.

Häufig gestatten Gewerkschaften Kündigungen nur zu bestimmten Zeitpunkten. Üblich ist eine Kündigung zum nächsten Quartalsende. Es kann aber auch sein, dass erst zum Ende des Geschäftsjahres gekündigt werden darf.

Das Kündigungsschreiben

Sofern du deine Kündigung ordentlich und fristgerecht durchführst, benötigst du keine Begründung. Es genügt ein einfaches Kündigungsschreiben, indem du deinen Austritt mitteilst. Dieses sollte in jedem Fall deine Mitgliedsnummer sowie deine vollständige Adresse beinhalten. Zudem empfiehlt es sich, um eine Bestätigung zu bitten und - falls die Mitgliedsbeiträge nicht per Überweisung gezahlt wurden - die Einzugsermächtigung zu widerrufen.

Wenn du ein Einschreiben oder Fax für deine Kündigung nutzt, kannst du bei Streitigkeiten über das Eingangsdatum des Schreibens beweisen, dass die Austrittserklärung fristgerecht zugegangen ist. Entscheidend ist dabei immer der Tag, an dem das Kündigungsschreiben bei der Gewerkschaft eintrifft. Deine Kündigung kannst du auch direkt  online per Mausklick über uns verschicken.

Sonderkündigungsrechte bei der Gewerkschaftsmitgliedschaft

Beitragserhöhung

Im Rahmen einer  Beitragserhöhung durch die Gewerkschaft besitzt du als Mitglied ein Sonderkündigungsrecht. Sobald dir die Mitteilung über die Erhöhung zugegangen ist, hast du 4 Wochen Zeit, um deinen Austritt zu erklären. Verstreicht diese Kündigungsfrist, akzeptierst du den angepassten Beitrag. Ab diesem Zeitpunkt ist wieder nur eine fristgerechte Kündigung möglich.

Hinweis: In den meisten Gewerkschaften beläuft sich der Mitgliedsbeitrag auf ein Prozent des Bruttogehaltes. Eine Lohnerhöhung führt folglich zu einer Erhöhung deines Beitrages. Dies ist jedoch kein Grund für eine außerordentliche Kündigung. Nur wenn der Prozentsatz erhöht wird, kannst du fristlos kündigen.

Arbeitslosigkeit

Natürlich steht dir auch im Falle einer eintretenden Arbeitslosigkeit ein  Sonderkündigungsrecht zu – ist dir die Gewerkschaft dann nur noch von geringem Nutzen. Zwingend erforderlich ist der Austritt jedoch nicht. Du kannst einen Antrag stellen, zu einem verminderten Beitrag, die sogenannte Mindestgebühr, Mitglied zu bleiben. Bei Verdi zahlst du während der Arbeitslosigkeit beispielsweise nur 2,50 Euro. So profitierst du weiterhin von den Vorteilen, hast aber nur eine geringe finanzielle Belastung.

Was nach der Beendigung der Mitgliedschaft zu beachten ist

Sobald du kein Mitglied der Gewerkschaft mehr bist, kommen dir die Vorteile nicht mehr zugute. Dies führt unter anderem dazu, dass eine in Tarifverhandlungen erwirkte Lohnerhöhung für dich nicht gilt oder, dass du bei einem Streik deine Arbeit nicht niederlegen darfst bzw. musst.

Dein Kündigungsschutz ist durch den Austritt aus der Vereinigung rein rechtlich nicht beeinträchtigt. Auch wenn in deinem Unternehmen ein Sozialplan aufgestellt wird, ist die Beendigung deiner Mitgliedschaft kein Nachteil für dich. Denn dieser darf nicht zwischen Gewerkschaftsmitglieder und Nicht-Mitgliedern unterscheiden.

veröffentlicht am 22.12.2015

Bild von Jonas Franke

Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
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