Beim Umzug den Telefonanbieter behalten oder wechseln – Darauf kommt es an

Welche Sonderkündigungsrechte du hast, ob du deine Rufnummer mitnehmen kannst und was du noch wissen solltest

Den Vertrag bei einem Telefonanbieter und die Telefonnummer nach einem Umzug behalten

Wenn du umziehst und dein bisheriger Telefonbieter seine Leistungen an deinem neuen Wohnort auch anbietet, erlischt der Vertrag mit diesem nicht. Du behältst sogar die gleiche Festnetznummer, so lange du im gleichen Vorwahlbereich umziehst. Bei einer Mobilfunknummer ist es unerheblich, an welchem Ort du wohnst, da diese überall nutzbar ist. Möchtest du den Vertrag nicht weiterführen, kannst du ihn ordentlich mit einer dreimonatigen Frist zum Ende der vereinbarten Laufzeit kündigen. Unter bestimmten Umständen hast du das Recht zur außerordentlichen Kündigung aus wichtigem Grund, auf das wir etwas weiter unten im Text genauer eingehen.

Tipp: Erkundige dich vor deinem Umzug nach den Leistungen deines Telefonanbieters in der neuen Wohnung und nimm gegebenenfalls Kontakt mit diesem auf. Unter Umständen kannst du dann nämlich einen neuen Tarif aushandeln.


Den Telefonanschluss mit in die neue Wohnung nehmen

Für den Mobilfunkvertrag spielt der Umzug weniger eine Rolle, allerdings ist es notwendig, dem Anbieter die neue Anschrift mitzuteilen, damit die Rechnungen an die richtige Adresse geleitet werden. Bei einem Festnetzanschluss solltest du deinem Provider den Auftrag für den Anschlusswechsel in die neue Wohnung mindestens vier Wochen vor dem Umzug unter Angabe deiner Festnetznummer und deiner Kundennummer mitteilen. Diese Zeit ist notwendig, um die technischen Voraussetzungen bereitzustellen. Außerdem muss die Mitteilung die bisherige und die neue Anschrift, den gewünschten Bereitstellungstermin für den neuen Anschluss und Informationen für den Anschluss am neuen Standort enthalten. Die meisten Anbieter halten für diese Informationen ein Formular auf ihren Websites bereit. Unter Umständen ist in der neuen Wohnung ein Technikertermin notwendig, der dir durch den Telefonanbieter rechtzeitig mitgeteilt wird.

Den Telefonanbieter wechseln und die Telefonnummer behalten

Kannst du den Telefonvertrag noch nicht ordentlich kündigen und ist auch die Sonderkündigung nicht möglich, musst du bei einem Umzug auf den Wechsel zu einem anderen Telefonanbieter nicht verzichten. Die meisten Provider bieten nämlich inzwischen Tarife mit Wechselbonus an. Das bedeutet, dass du einen neuen Vertrag abschließen kannst, obwohl der alte noch läuft. Der neue Telefonanbieter erlässt dir dann in der Regel die Grundgebühren während der Restlaufzeit des alten Vertrags. Die neuen Leistungen sind sofort nach Vertragsabschluss nutzbar und du hast genügend Zeit, den Vertrag mit dem bisherigen Anbieter ordentlich zu kündigen. Auch beim Wechsel zu einem neuen Telefonanbieter kannst du deine bisherige Telefonnummer behalten, wenn die Vorwahl sich nicht ändert. Grundlage hierfür ist § 46 TKG (Telekommunikationsgesetz), nach dem Telefonnetzbetreiber dafür sorgen müssen, dass Teilnehmer ihre bisherige Rufnummer behalten können. Im Festnetz gilt dies innerhalb des gleichen Vorwahlbereichs und im Mobilfunknetz an jedem Standort. Für die Rufnummernmitnahme können dir Kosten bei deinem bisherigen Telefonanbieter entstehen, die jedoch meistens durch den neuen Anbieter übernommen werden.

Das Sonderkündigungsrecht bei Verträgen mit einem Telefonanbieter

Falls du den Vertrag mit deinem Telefonanbieter wegen des Umzugs gänzlich kündigen möchtest, gibt es einige Fälle, in denen eine Sonderkündigung möglich ist. Unter Umständen musst du deinem Vertragspartner jedoch eine realistische Frist zur Abhilfe setzen, bevor du kündigen kannst. Hierfür gibt es keine generellen Vorgaben, aber nach bisheriger Rechtsprechung wird von einem Zeitraum zwischen zehn Tagen bis drei Wochen ausgegangen. Kann der Mangel in dieser Zeit nicht behoben werden oder weigert sich der Telefonanbieter dies zu tun, kannst du den Vertrag ohne eine weitere Fristsetzung kündigen.

Hinweis: Das Sonderkündigungsrecht, auch außerordentliches Kündigungsrecht, ist eine Kündigung aus wichtigem Grund. Im allgemeinen Schuldrecht, das heißt auch in Verbraucherverträgen wie einem Festnetz- oder Mobilfunkvertrag, wird das Recht in § 314 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) geregelt. In unserem Ratgeber "Die außerordentliche Kündigung - Unter diesen Bedingungen ist sie möglich" erfährst du darüber mehr.

Im Sinne des BGB kannst du einen Verbrauchervertrag immer dann einseitig kündigen, wenn der Vertragspartner Pflichten aus dem Vertrag verletzt. Bei einem Festnetz- oder Mobilfunkvertrag treffen im Rahmen eines Umzugs insbesondere folgende Situationen zu:

  • der Telefonanbieter stellt die im Vertrag vereinbarten Leistungen am neuen Wohnort nicht zur Verfügung
  • die Leistungen sind am neuen Wohnort nicht mehr vollumfänglich nutzbar, beispielsweise kann der Anbieter nur noch 16 MBit/s statt 100 MBit/s anbieten
  • du ziehst ins Ausland und kannst daher die Leistungen des Telefonanbieters nicht mehr nutzen
  • die Internetgeschwindigkeit ist wesentlich langsamer als vertraglich vereinbart
  • der Anbieter erhöht einseitig die Preise ohne die Leistungen anzupassen
Aber Achtung! Ist die Internetgeschwindigkeit langsamer als vereinbart, berechtigt dies nur zur Sonderkündigung, wenn der Vertragspartner in seinen AGB (Allgemeinen Geschäftsbedingungen) keine Mindestgeschwindigkeit angegeben hat. Prüfe hierfür deine Vertragsunterlagen. Die Geschwindigkeit kannst du übrigens über einen DSL-Speedtest ermitteln, der zum Beispiel auf den Websites mehrerer Computermagazine angeboten wird.

Beispiel: Du hast einen Vertrag mit einer Internetgeschwindigkeit von bis zu 50 MBit/s abgeschlossen. Der Vertragspartner hat in den AGB oder im Vertrag jedoch angegeben, dass mindestens 16 MBit/s und maximal 50 MBit/s erreicht werden. Es sind also alle Geschwindigkeiten vertragsgemäß, die dazwischen liegen.

Berechtigt ein Grund zur außerordentlichen Kündigung des Vertrags mit dem Telefonanbieter, legt § 314 BGB fest, dass die Kündigung innerhalb einer angemessenen Frist nach dessen Kenntnisnahme erfolgen muss. In der Regel wird hier von vier Wochen ausgegangen, innerhalb derer das Kündigungsschreiben beim Vertragspartner nachweislich eingegangen sein muss.

Beispiel: Du stellst nach dem Einzug in deine neue Wohnung fest, dass die DSL-Geschwindigkeit dauerhaft nur bei 14 MBit/s liegt, hast aber einen Vertrag abgeschlossen, bei dem der Anbieter Geschwindigkeiten zwischen 16 bis 50 MBit/s verspricht. Du hast das Recht zur Sonderkündigung.

Fazit

Bei einem Umzug kannst du den Vertrag und deine Telefonnummer bei deinem bisherigen Telefonanbieter behalten, sofern die im Vertrag festgelegten Leistungen am neuen Wohnort angeboten werden. Zur Sonderkündigung berechtigt der Umzug nur in bestimmten Fällen, wie dem Umzug ins Ausland oder dauerhaft nicht vertragsgemäße Leistungen. Möchtest du den Telefonanbieter wechseln, obwohl die Kündigung des alten Vertrags noch nicht möglich ist, schau dich nach Tarifen mit Wechselbonus um.


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Jonas Franke
Heike Jestram
Heike Jestram arbeitet als Autorin in Berlin. Seit 2016 unterstützt sie volders und schreibt Ratgeber zu Verträgen und Kündigungen. Durch den digitalen Vertragsassistenten können viele Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewinnen.