Kündigung Private Krankenversicherung

Alles Wissenswerte und Tipps

  1. Welche Voraussetzungen gelten bei einem Wechsel in die PKV?
  2. Die private Krankenversicherung kündigen
  3. Was sind die üblichen Kündigungsfristen?
  4. Was ist bei der Kündigung zu beachten?
  5. Ist ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung möglich?
  6. Geltende Sonderkündigungsrechte in der PKV

Die private Krankenversicherung

Fast 9 Millionen Deutsche haben sich in der Gesundheitsfrage privat abgesichert. Insbesondere die vermeintlich bessere medizinische Versorgung gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen, aber auch mögliche Zusatzleistungen, wie Chefarztbehandlung oder Einzel- oder Zweibettzimmer bei Krankenhausaufenthalten, sind Gründe für den stetigen Zuwachs von Privatversicherten. Die Anzahl stieg im Zeitraum von 2002 bis 2014 um mehr als 11 Prozent.

Arten der privaten Krankenversicherung

Man unterscheidet bei der privaten Krankenversicherung zwischen zwei Arten: die Vollversicherung, bei der alle tariflich zugesicherten anfallenden Krankenkosten von der Versicherung übernommen werden, und die Teilversicherungen, wo nur eine anteilige Kostenübernahme gewährt wird. Eine Teilversicherung lohnt sich insbesondere für Beamte, da der Dienstherr meist zwischen 50 und 80 Prozent der Behandlungskosten übernimmt. Des Weiteren kann man als Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung private Zusatzversicherungen abschließen, welche Leistungen zusichern, die bei den gesetzlichen Krankenkassen meist nicht abgedeckt sind. Darunter zählen beispielsweise Zahnersatz- und Pflegezusatzversicherungen oder Krankenhaustagegeld.

In die private Krankenversicherung wechseln

Voraussetzungen für Arbeiter und Angestellte

Um von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln zu können, müssen diverse Anforderungen erfüllt sein. Arbeiter und Angestellte müssen dabei ein jährliches Bruttoeinkommen von mindestens 54.900 Euro (Stand 2015), die sogenannte Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG), vorweisen. Dabei wird die JAEG jährlich vom Bundesarbeitsministerium neu bestimmt – Arbeiter und Angestellte, die weiterhin in der gesetzlichen Krankenversicherung (GVK) verbleiben, gelten als „freiwillig Versicherte“. Selbstständige und Studenten, die durch das Erreichen des 25. Lebensjahres nicht mehr über die Familie versichert werden können, sind grundsätzlich von der Versicherungspflicht befreit und können sich ebenfalls privat versichern. 

Erreicht man als Arbeiter oder Angestellter die JAEG, so ist die gesetzliche Krankenkasse verpflichtet den Versicherten darüber zu informieren. In diesem Fall hat der Arbeitnehmer zwei Wochen Zeit, die Austrittserklärung bei der Krankenkasse abzugeben und in die private Krankenversicherung zu wechseln. Es besteht keine Verpflichtung zum Wechsel – man kann natürlich weiterhin in der gesetzlichen Krankenversicherung als freiwilliges Mitglied verbleiben. Wer aber den Weg in die PKV wählt, sollte in jedem Fall vorher die verschiedenen Versicherungstarife miteinander vergleichen.

Beispiel: Peter hat im Jahr 2015 ein Bruttoeinkommen von 56.000 Euro erzielt. Seine gesetzliche Krankenkasse teilt Ihm am 15.01.2016 mit, dass er von der Versicherungspflicht befreit ist. Er hat bis zum 31.01.2016 Zeit, seinen Austritt zu erklären und sich privat zu versichern.

Versicherungsfreiheit für Selbstständige

Selbstständige und Freiberufler haben die Wahl, ob sie sich privat oder gesetzlich absichern möchten. Beide Gesundheitssysteme haben ihre Vor- und Nachteile. Ein späterer Wechsel ist jedoch nur unter Umständen möglich, weshalb der Schritt reiflich überlegt und mit der geplanten Zukunft abgestimmt sein sollte. Während die gesetzliche Krankenversicherung die Beiträge vom aktuellen Einkommen abhängig macht und Familienangehörige ohne weitere Kosten mitversichert werden können, lockt die private Krankenversicherung durch anfangs günstige Beiträge und zugesicherte Spezialleistungen. Dafür bekommen neugeborene Familienmitglieder eigene Verträge und üblicherweise steigen die monatlichen Beiträge im Alter, sodass die private Versicherung schnell zu einer hohen Belastung werden kann.

Die private Krankenversicherung kündigen

Besonders im hohen Alter und/oder bei der Verschlechterung des Gesundheitszustands können die Beiträge für die private Krankenversicherung extrem steigen. Spätestens jetzt denken viele Versicherte über eine Kündigung und einen Wechsel in eine vermeintlich günstigere private Krankenversicherung nach.

Nachteile einer Kündigung

Grundsätzlich raten Versicherungsexperten von einer Kündigung und dem Wechsel des Versicherers ab, da sich dies sehr zum Nachteil des Versicherten auswirken kann. Nicht nur, dass ein Großteil der Altersrückstellungen, durch die die Beiträge im Alter nicht explodieren, verloren geht. Auch können neue Gesundheitsprüfungen zu Risikozuschlägen, Ausschluss bestimmter Leistungen oder im schlimmsten Fall zur Ablehnung führen.

Tarifwechsel beim Versicherer

Eine Alternative, um die monatliche Belastung zu verringern, ist der sogenannte interne Tarifwechsel. Laut §204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) hat jeder Versicherungsnehmer die Möglichkeit, innerhalb seiner Krankenversicherung in einen Tarif mit vergleichbaren oder verminderten Leistungen zu wechseln. Dies hat den Vorteil, dass Altersrückstellungen aus dem alten Tarif vollständig übernommen werden, keine Gesundheitsprüfung notwendig ist und man so von günstigeren Beiträgen profitieren kann. Um den Tarif innerhalb der Versicherung zu wechseln, bedarf es keiner Frist und Vorleistungen.

Wie sind die Kündigungsfristen?

Private Krankenvollversicherungen sind unbefristet und haben eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende eines  Versicherungsjahres, welches in der Regel dem Kalenderjahr gleicht. Versicherte können somit bis zum 30.09. eines Jahres den Wechsel ihrer Krankenversicherung oder ihres Tarifes beantragen. 

Private Krankenzusatzversicherungen, welche auch für gesetzlich Versicherte freistehen, können befristet oder unbefristet sein. Die Kündigungsfristen hängen dabei von den spezifischen Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) ab und können zwischen einem Tag und drei Monaten betragen. Das Versicherungsjahr beginnt in den meisten Fällen mit Versicherungsbeginn und endet 12 Monaten später. Häufig beinhalten die Zusatzversicherungen eine automatische Vertragsverlängerung, wenn man diese nicht fristgemäß und den Formalitäten entsprechend kündigt.

Was ist bei einer Kündigung zu beachten?

Der Gesetzgeber hat in §193 des VVG festgelegt, dass Personen mit Wohnsitz in Deutschland krankenvollversichert sein müssen, sei es bei einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse. Kündigt man seine Krankenversicherung, muss man beim Wechsel der Versicherung die daran anschließende Krankenvollversicherung nachweisen. Der Versicherte muss einen nahtlosen Übergang gewährleisten. Kann der Nachweis nicht vorgelegt werden, gilt die Kündigung als unwirksam.

Das Kündigungsschreiben

Um die private Krankenversicherung zu kündigen, muss ein Schreiben unter Einhaltung der dreimonatigen Kündigungsfrist (30.09.) an die Versicherung geschickt werden. Für einen Nachweis über den Eingang der Kündigung bei der Versicherung ist es empfehlenswert, diese per Fax oder Einschreiben zu versenden. Folgende essentielle Daten sollten in der Kündigung enthalten sein:

  • Name und Anschrift des Versicherungsnehmers
  • Adresse des Versicherungsunternehmens
  • Betreff: Kündigung meiner privaten Krankenversicherung
  • Versicherungsnummer und/oder Mitgliedsnummer
  • Datum, Ort sowie Unterschrift

Ebenso sollte um den Erhalt einer Eingangs- und Kündigungsbestätigung gebeten werden. Ein Kündigungsgrund muss nicht angegeben werden.

Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln

Der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenkasse (GKV) ist nur unter gewissen Bedingungen möglich und sollte, aufgrund des Verlustes der umfassenden Leistungen der privaten Krankenversicherung sowie angesammelter Altersrückstellungen, gut überlegt sein. Grundsätzlich muss jede Person, die versicherungspflichtig ist oder wird, in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. 

Wer in einem Jahr ein Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) von derzeit 54.900 Euro erzielt, muss sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Diese Regelung gilt also besonders für Angestellte und erwerbslose Personen. Privatversicherte, die durch die Erhöhung der JAEG wieder versicherungspflichtig werden, haben die Möglichkeit, einen Antrag auf „Versicherungsfreiheit“ zu stellen. Wird der Antrag bewilligt, gibt es aber auch meist kein Zurück mehr ins gesetzliche Gesundheitssystem.

Beispiel: Das Bundesarbeitsministerium erhöht im Jahr 2017 die JAEG, welches nun über dem aktuellen Jahreseinkommen von Peter liegt. Dadurch wird er wieder versicherungspflichtig und muss in die gesetzliche Krankenkasse wechseln. Er hat aber ebenso die Möglichkeit, innerhalb von drei Monaten nachdem er versicherungspflichtig wurde, einen Befreiungsantrag bei einer gesetzlichen Krankenkasse zu stellen und dadurch in der privaten Krankenversicherung zu verbleiben.

Selbstständige, die ihr Geschäft oder ihre Unternehmung aufgeben, können sich über die Familie versichern lassen. Nehmen sie aber wieder eine Arbeit im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses auf, gilt wieder die JAEG – wird diese innerhalb eines Jahres unterschritten, müssen die Versicherten in eine gesetzliche Krankenversicherung wechseln.

Kompliziert ist es für Privatversicherte, die das 55. Lebensjahr erreicht haben: Der Gesetzgeber schreibt vor, dass ein Wechsel bzw. die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nur realisierbar ist, wenn man in den letzten 5 Jahren mindestens einen Tag Mitglied bei einer gesetzlichen Krankenkasse gewesen ist.

Welche Sonderkündigungsrechte gibt es?

Beitragserhöhung durch die Versicherung

Im Falle einer  Beitragserhöhung oder einer Leistungsverminderung besteht nach §205 Abs. 4 VVG das Recht auf eine Sonderkündigung. Die Versicherung muss den Versicherungsnehmer zeitnah informieren. Die Kündigungsfrist beträgt hierbei zwei Monate nach Erhalt des Änderungsschreibens, der Vertrag endet dann zum Zeitpunkt der Änderung des Beitrags.

Beispiel: Peter erhält am 30.11.2015 von seinem Privatversicherer die Information, dass die Beiträge zum 01.01.2016 erhöht werden. Er kann, aufgrund der Frist von zwei Monaten, bis zum 31.01.2016 kündigen. Der Vertrag wird dann rückwirkend zum 01.01.2016, zum Inkrafttreten der Beitragserhöhung, aufgelöst.

Umzug ins Ausland

Ändert sich der Wohnsitz des Versicherten, so unterscheidet man zwischen dem Wohnsitz inner- und außerhalb der europäischen Union (EU) bzw. des europäischen Wirtschaftsraumes (EWR). Innerhalb dessen bleiben die Krankenversicherung und der damit verbundene Schutz bestehen. Verlegt der Versicherte seinen Wohnsitz jedoch außerhalb Europas oder in einen Staat, der weder der EU noch dem EWR angehört, endet die Versicherung in den meisten Fällen. Selten kann der Versicherungsschutz und die Leistungen durch Risikozuschläge aufrechterhalten werden.

veröffentlicht am 29.10.2015

Bild von Jonas Franke

Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
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