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Lebensversicherung kündigen

Wir sagen dir, was du beachten solltest!

Die Kündigungsfrist bei Lebensversicherungen

Eine Lebensversicherung schließt du ab, um dich selbst oder nahestehende Personen im Todesfall abzusichern. Auch für deine private Altersvorsorge kann es sinnvoll sein, eine Lebensversicherung abzuschließen. 
 
Es kann aber auch passieren, dass du deine Lebensversicherung vor dem Ende der Laufzeit kündigen möchtest. Eine spezielle Kündigungsfrist musst du dabei zwar nicht berücksichtigen. Du solltest dir aber aus verschiedenen Gründen genau überlegen, ob eine Kündigung wirklich die beste Lösung ist. 

Kündigung: Das solltest du beachten

Kündige niemals ohne Not. Vor allem, wenn du einen alten Vertrag besitzt, profitierst du meistens noch von einer garantierten Verzinsung des Einlagekapitals zu den damals üblichen Zinssätzen.

Wichtig: Der Rückkaufswert
Wer einen Versicherungsvertrag vorzeitig kündigt, erhält den im Vertrag vereinbarten sogenannten Rückkaufswert. Versicherer sind nach § 169 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) gesetzlich dazu verpflichtet, dem Versicherungsnehmer bei vorzeitiger Auflösung einer Lebensversicherung einen Rückkaufswert zu zahlen. Dieser muss allerdings nicht höher sein, als die zu erwartende Leistung zum Kündigungszeitpunkt. Für den Versicherungsnehmer bedeutet das zumeist den Verlust von viel Geld, da gegebenenfalls auch Abschluss- und Versicherungskosten sowie Stornogebühren berechnet werden können.

Der Rückkaufswert bei Vertragsabschluss zwischen 1994 und 2007

Wenn du deinen Vertrag zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen hast, gilt für dich, was der Bundesgerichthof (BGH) nach mehreren Gerichtsurteilen entschieden hat:
Der Rückkaufswert muss mindestens halb so hoch sein wie die Gesamtsumme der Beiträge nach Abzug der Verwaltungskosten, die bis zur Kündigung eingezahlt worden sind.

Abschlusskosten oder Stornogebühren dürfen nicht angerechnet werden

Schon gewusst? Bei Lebensversicherungen, die zwischen dem 29. Juli 1994 und dem 21. Dezember 2007 abgeschlossen wurden, gibt es eine für Versicherungsnehmer erfreuliche Pointe: Wurde der Versicherungsnehmer zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht korrekt über sein Widerrufsrecht belehrt, kann die Versicherung rückabgewickelt werden!
 
Das bedeutet, dass die kompletten eingezahlten Beiträge zuzüglich der Zinsen zurückgezahlt werden müssen. Und noch besser: Der Widerspruch ist sogar dann noch möglich, wenn der Vertrag schon gekündigt und bereits ein Rückkaufswert ausgezahlt wurde. Selbst wenn eine Widerrufsbelehrung ausgehändigt wurde, kann diese fehlerhaft sein und wird damit nicht wirksam. 
 
Typische Fehler sind:
 
  • Es fehlt der Hinweis, dass es ausreicht, wenn der Widerruf innerhalb der Widerrufsfrist rechtzeitig abgesendet wurde.
  • Die Widerrufsbelehrung ist nicht klar als solche zu erkennen, weil sie sich von den übrigen Versicherungsbedingungen nicht deutlich hervorhebt.

Der Rückkaufswert bei fondsgebundenen Lebensversicherungen

Fondsgebundene Versicherungen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen worden sind, unterliegen bezüglich des Rückkaufwertes den oben genannten Bedingungen für normale Lebensversicherungen aus diesem Zeitraum. Bei Vertragsabschluss ab 2008 entspricht der Rückkaufswert nach §169 Abs. 4 VVG dem Zeitwert der Fondsanteile.

Wie kann der Rückkaufswert berechnet werden?

Im Internet gibt es zahlreiche Websites auf denen der Rückkaufswert einer Lebensversicherung berechnet werden kann. Du gibst dort den Namen der Versicherungsgesellschaft, den Beginn und das Ende der Beitragszahlung sowie die Höhe der Beiträge ein und der Rechner erledigt den Rest. 
 
Ganz gleich, wie du es machst: Den Rückkaufswert musst du auf jeden Fall vor der Kündigung herausgefunden haben. Dabei hilft dir aber auch die Versicherung selbst. Von ihr kriegst du schließlich auch einen jährlichen Bescheid, in dem der Rückkaufswert ebenfalls steht. Also alles nicht allzu dramatisch.

Bei alten Verträgen die Versicherungsunterlagen gründlich prüfen

Falls du einen alten Versicherungsvertrag kündigen möchtest, solltest du dir deine Vertragsunterlagen also genau ansehen und prüfen, ob du eine Widerrufsbelehrung erhalten hast. Bist du dir unsicher, kannst du den Vertrag bei einer Verbraucherzentrale oder einem Anwalt gegen Gebühr prüfen lassen. Übrigens ist auch dann noch nicht alles verloren, wenn der Versicherer den Widerspruch nicht akzeptiert: Ombudsmänner der Schlichtungsstelle für Versicherte oder Versicherungsexperten können die Rechte im berechtigten Fall durchsetzen. Du siehst: Chancen über Chancen!

So kündigst du deine Lebensversicherung

Soll die Lebensversicherung vorzeitig durch den Versicherungsnehmer gekündigt werden, ist dies im Normalfall ohne Angabe von Gründen und die Einhaltung einer Kündigungsfrist jederzeit möglich. Du musst dem Versicherer lediglich ein formloses Schreiben schicken, in welchem du ihm die Kündigungsabsicht mitteilst. Idealerweise enthält dieses neben deinem vollen Namen und deiner korrekten Anschrift auch die Versicherungsnummer, damit der Versicherer das Schreiben rasch zuordnen kann. 
 
Ausgenommen von der Kündigung sind allerdings die sogenannten Rürup-Verträge und betriebliche Direktversicherungen. Diese können lediglich bis zum Ende der Laufzeit beitragsfrei gestellt werden.
Hinweis: Umgekehrt kann dir deine Versicherung nur im Falle eines Beitragsrückstands kündigen.

Diese Alternativen gibt es zur Kündigung

Meistens ist die Kündigung einer Lebensversicherung mit einem finanziellen Verlust verbunden. Deshalb solltest du dir folgende Alternativen durch den Kopf gehen lassen:

Verkauf der Lebensversicherung an einen Policen-Ankäufer

Eine Lebensversicherung kann auf dem sogenannten Zweitmarkt an sogenannte Policen-Ankäufer verkauft werden. In der Regel handelt es sich hierbei um Firmen oder Vermittler – die jedoch nur an wertvollen Versicherungspolicen interessiert sind. Das heißt, dass sich der Käufer langfristig einen Gewinn aus dem Versicherungsankauf verspricht.
 
Alle Rechte auf Auszahlungen aus dem Vertrag gehen auf den Käufer über. Immerhin: Der Verkaufspreis liegt meistens zwischen drei bis fünf Prozent höher als der Rückkaufswert und kann bei verschiedenen Policen-Ankäufern unterschiedlich ausfallen. Lass dir deshalb Angebote von verschiedenen Anbietern schicken. 
 
Nicht verkauft werden können Rürup-Verträge und betriebliche Direktversicherungen, da diese staatlich subventioniert sind.

Verkauf der Lebensversicherung mit einer Option zum Rückerwerb

Benötigst du nur kurzfristig Geld, ist eventuell der Verkauf mit einer Rückerwerbsoption sinnvoll. Die Lebensversicherung kannst du dann wieder zurückkaufen – und behältst alle Leistungen. Während bei einem einfachen Verkauf die Rechte an den Käufer abgegeben werden, erlischt der Versicherungsschutz bei dieser Variante nicht. Allerdings werden nur zwischen achtzig bis neunzig Prozent des Rückkaufswertes ausgezahlt. Beim Rückkauf muss zudem die komplette Summe zuzüglich Zinsen und gegebenenfalls vom Käufer gezahlter Beiträge mit einem Mal beglichen werden.

Die Beleihung einer Lebensversicherung

Auch das Beleihen einer Lebensversicherung ist nur bei kurzfristiger Zahlungsunfähigkeit zu empfehlen. Der Versicherungsnehmer nimmt in diesem Fall einen Kredit auf, für den die Versicherungspolice als Sicherheit dient. Möglich ist das in der Regel allerdings erst dann, wenn der Rückkaufswert bei mehr als eintausend Euro liegt. Ein Vorteil ist, dass damit die Aufnahme eines Kredits auch mit schlechter Bonität ermöglicht wird. Nachteilig sind hingegen die zu zahlenden Zinsen, die normalerweise höher liegen als die durch die Lebensversicherung erzielten Rendite.

Die Versicherung beitragsfrei stellen

Bei vorübergehender Geldknappheit kann auch eine Beitragsfreistellung in Frage kommen. In diesem Fall müssen für einen bestimmten Zeitraum keine Beiträge gezahlt werden. Dadurch verringert sich allerdings auch das Einlagekapital, sodass dir am Ende der Laufzeit weniger Geld ausgezahlt wird. 
 
Bei Verträgen, die bereits länger laufen, können die Beiträge unter Umständen aus bereits angesammelten Überschüssen bezahlt werden. Einige Versicherer sind auch bereit, die Beiträge für einige Zeit zu stunden. Insbesondere bei Arbeitslosigkeit ist dies häufig der Fall. Du erfährst in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen deines Versicherers, ob er diese Möglichkeit einräumt. Grundsätzlich kann man immer raten: Das direkte Gespräch ist hilfreich – also ab ans Telefon!