Lebensversicherung kündigen

Alles Wissenswerte und Tipps

  1. Was sind übliche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen?
  2. Gibt es Alternativen zur Kündigung der Lebensversicherung?
  3. Was ich nach der Kündigung beachten muss?
  4. Hier direkt zum Kündigungsschreiben

Lebensversicherungen

In Deutschland sind rund 94 Mio. Lebensversicherungen abgeschlossen. Zu den bekannten Versicherungen gehören zum Beispiel die Allianz, AXA, Generali oder AachenMünchener Lebensversicherung. Nach der Verbraucherzentrale kündigen bis zu 80% der Versicherten ihre Versicherung vor Ablauf der Vertragslaufzeit - jedes Jahr sind es rund 3.2 Mio. Lebensversicherungen. Das Wichtigste bei einer vorzeitigen Kündigung ist, dass du den Rückkaufswert (Lebensversicherung) berücksichtigst, bevor du eine Entscheidung triffst. In der Regel bekommst du nur einen Bruchteil (50%) von deinem Geld zurück, was du ursprünglich eingezahlt hast.

Was sind übliche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen?

Die Vertragslaufzeit wird meist individuell mit dem Versicherer vereinbart. Es wird ein "Höchstendalter" (z.B. 75 Jahre) festgeschrieben, zu dem die Laufzeit des Vertrages endet. In vielen Fällen wird eine anfängliche Mindestlaufzeit des Vertrages vereinbart. Nach dieser Mindestlaufzeit kannst du jederzeit kündigen. Die Kündigungsfrist beträgt normalerweise vier Wochen zum Ende des Versicherungsjahres. Damit ist der 30.11. des aktuellen Jahres der späteste Zeitpunkt für deine Kündigung, damit dein Vertrag zum 01.01. des Folgejahres endet. Verpasst du diese Frist, kannst du den Vertrag erst wieder zum 30.11. des Folgejahres kündigen.

Alternativen zur Kündigung der Lebensversicherung?

Anstatt deine Police vorzeitig zu kündigen, gibt es mehrere Alternativen mit Vor- und Nachteilen. Du kannst deine  Lebensversicherung kündigen, verkaufen oder auch beitragsfrei stellen. Die meisten Punkte solltest du am besten mit deinem Versicherungsgeber besprechen.

1. Die Lebensversicherung beitragsfrei stellen

Das Pausieren der Beitragszahlung ist eine Alternative zur vorzeitigen Kündigung. Abhängig von der Vereinbarung zur Lebensversicherung kannst du für maximal 2 Jahre lediglich die Risikoprämie der Versicherung bezahlen. Die Beiträge bezahlst du nicht mehr. Dadurch hast du weiterhin den Versicherungsschutz. Logischerweise verringert sich dadurch aber die Ablaufleistung. Sprich, das Geld, was du nach der Laufzeit von der Versicherung erhältst, wird weniger, weil du auch zwischendrin weniger eingezahlt hast. Nach den 2 Jahren entfällt jedoch der Versicherungsschutz. Die Beiträge freistellen macht insbesondere dann Sinn, wenn deine Lebensversicherung kurz vor dem Laufzeitende steht, der Rückkaufswert zu gering wäre und du die vertraglich vereinbarte Leistung (Auszahlung) in Kürze erhalten wirst.

Die Beitragsfreistellung musst du schriftlich gegenüber deiner Versicherung erklären.

2. Die Versicherungsbeiträge stunden

Die Beiträge sind weiterhin fällig, aber du zahlst diese zu einem späteren Zeitpunkt. Die Dauer der Stundung, z.B. ein oder zwei Jahre, ist mit dem Versicherer zu vereinbaren. Nach Ablauf dieser Vereinbarung musst du den gestundeten Komplettbetrag zahlen. Der Versicherungsschutz bleibt bestehen. Vorteil ist also, du hast "jetzt" mehr Geld, musst aber später die offene Summe komplett zahlen. Also Vorsicht, es muss klar sein, dass du nach der Stundung die komplette Summe zahlen kannst.

Auch dieses Vorgehen musst du der Versicherung schriftlich erklären.

3. Die Lebensversicherung verkaufen

Seit 1999 können Lebensversicherungen auch an Dritte verkauft werden. Es handelt sich um Policen-Händler, die deine Lebensversicherung kaufen. Der Kaufpreis soll entsprechend höher sein als der Rückkaufswert, den du von deiner Versicherung erhältst. Über eine einfache Suche bei den gängigen Suchmaschinen (Google) bekommst du schnell mehrere Angebote. Es ist Vorsicht geboten. Der Kaufpreis ist meistens höher als der Rückkaufswert, aber die Konditionen, wann und wie du dieses Geld erhältst, sind schlechter. Zum Beispiel bieten manche Anbieter eine "Unverbindliche Abschlusszahlung", die dir schmackhaft gemacht wird, aber es fraglich ist, ob du jemals das Geld bekommst. Stiftung Warentest hat dazu einen Ratgeber veröffentlicht.

Unten kannst du mehr zu den  steuerlichen Konsequenzen lesen!

4. Die Versicherungssumme verringern

Die Versicherungssumme ist der Betrag, den dein Versicherer dir zugesichert hat, wenn der Versicherungsfall (z.B. Tod) eintritt. Du kannst mit der Versicherung besprechen, dass die Versicherungssumme verringert wird. Die Laufzeit bleibt bestehen. Dadurch musst du monatlich weniger zahlen, aber auch der Versicherungsschutz verringert sich. Diesen Vorgang musst du in der Regel mit der Versicherung verhandeln, denn es ist eigentlich vertraglich geregelt.

In diesem Fall raten wir zu einem Gespräch mit dem Versicherungsvertreter.

Was ist nach der Kündigung zu beachten?

Der Rückkaufswert

Wenn du deine Police kündigst, bekommst du Geld. Diesen Betrag nennt man den Rückkaufswert. In der Regel bekommst du jedoch nicht das Geld, dass du eingezahlt hast, sondern nur einen Bruchteil zurück. Versicherungen berufen sich in solchen Fällen häufig darauf, dass sie damit nicht rechnen konnten, Kosten für die Vertragseinrichtung, Abwicklung oder Verwaltung nicht gedeckt sind und damit von der Rückzahlung abgezogen werden müssen. Es ist nicht unüblich, dass man nur 50% zurückbekommt - je nachdem was der Vertrag sagt und wann gekündigt wurde. Unter dem Strich wirst du also Verlust machen. 

Für vor 1995 abgeschlossene Versicherungen besteht nur eine geringe Chance auf eine Erstattung. Der Bundesgerichtshof hat erst 2005 eingegriffen und je nachdem wann du die Lebensversicherung abgeschlossen hast, gibt es Bestimmungen für den Rückkaufswert.

  • Abschluss zwischen 1995 und 2007: Mindestens die Hälfte der eingezahlten Beiträge und keine Kosten für den Abschluss des Vertrages. 
  • Abschluss ab 2008: Der Gesetzgeber hat eine neue Regel eingeführt, nach der die Abschlusskosten für den Vertrag über die ersten fünf Jahre verteilt werden und nicht direkt mit den ersten Beiträgen verrechnet sein müssen. 

Es besteht eine Verjährungsfrist von 3 Jahren, in denen du deine Ansprüche geltend machen kannst. Diese 3 Jahre beginnen mit dem Ende des aktuellen Jahres. Sprich, bei einer Kündigung in 2011 läuft die Verjährungsfrist bis 01.01.2015.

Steuerliche Konsequenzen

Kündigst oder verkaufst du deine Versicherung, wird der Ertrag (=Rückkaufswert oder Verkaufspreis) seit 2009 mit der Abgeltungssteuer (25%) versteuert, wenn die Laufzeit der Lebensversicherung weniger als 12 Jahre war und der Versicherte unter 60 Jahre alt ist. In allen anderen Fällen wird das dem Halbeinkünfteverfahren eingesetzt.

Bei der Kündigung der Lebensversicherung gilt der Rat, sich im Zweifel und bei hohen Beträgen von einem Fachanwalt beraten zu lassen. Auch der Bund der Versicherten e.V. steht dir mit mehr als 53.000 Mitgliedern in Deutschland unabhängig zur Seite. Der Verein ist gemeinnützig und ohne kommerzielles Interesse.

veröffentlicht am 08.07.2014

Bild von Jonas Franke

Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
über 250.000 Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewonnen.
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