Darlehensvertrag kündigen

Alles Wissenswerte und Tipps

  1. Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen
  2. Rechte und Pflichten bei einer außerordentlichen Kündigung
  3. Was muss im Kündigungsschreiben stehen?
  4. So verhältst du dich nach der Kündigung

Der Kreditmarkt

Du bist unerwartet zu Geld gekommen und möchtest nun ein laufendes Darlehen kündigen? Oder suchst du nach der Möglichkeit einer Umschuldung, um wieder einen besseren Überblick über deine Finanzen zu bekommen? Es existieren verschiedene Gründe, die dich zu einer vorzeitigen Kündigung deines Darlehens veranlassen können. Doch nicht bei jeder Kreditform ist das so einfach möglich. Die Bank, die dir das Darlehen ausgezahlt hat, würde durch eine vorzeitige Rückzahlung viel Geld verlieren. Der Vertrag kann daher in vielen Fällen nur in beiderseitigem Einverständnis gekündigt werden. Je nach Kreditart gibt es dennoch gute Möglichkeiten zur Kündigung des Darlehensvertrags.

Die üblichen Kündigungsrechte und Vertragslaufzeiten

Darlehen mit variablen Zinsen

Wurde ein Kredit mit variablen Zinsen vereinbart, ist dieser zu jedem Zeitpunkt kündbar. Ist auch die Kredithöhe nicht vertraglich festgehalten, wie z. B. beim Dispo-Kredit, kannst du dein Darlehen kündigen und das Geld einfach zurückzahlen. Wenn der Kreditvertrag über eine bestimmte Summe geschlossen wurde, musst du für eine vorzeitige Beendigung des Vertrages eine Kündigungsfrist von drei Monaten einhalten.

Darlehen mit einem festen Zinssatz

Deutlich schwieriger wird es, wenn du mit der Bank einen festen Zinssatz vereinbart hast. Ein solcher Vertrag ist für Banken eine langfristige Geldanlage. Im Paragraf 489 BGB ist genau geregelt, in welchen Fällen eine vorzeitige Kündigung des Darlehens möglich ist. Läuft dein Vertrag länger als die Zinsbindung, kannst du frühestens zum Ende der Zinsbindungszeit kündigen. Die Kündigungsfrist beträgt in diesem Fall einen Monat. Bei einem gestaffelten Zins kannst du immer zu dem Tag kündigen, an dem die Zinsen sich verändern. Der gestaffelte Zins unterscheidet sich vom variablen Zins dahingehend, dass für festgelegte Zeiträume ein in Prozent ausgedrückter Zinssatz vertraglich vereinbart wird.

Laufzeitgebundene Darlehen

Auch wenn der Kredit für mehr als zehn Jahre vereinbart ist, besteht für dich nach Ablauf der zehn Jahre eine Chance zur vorzeitigen Kündigung. In diesem Fall musst du bereits sechs Monate im Voraus die Kündigung aussprechen. All diese Kündigungsrechte sind gesetzlich vorgegeben. Dein Kreditinstitut darf dir, also dem Kreditnehmer, die Kündigung nicht erschweren.

Rechte und Pflichten bei der Sonderkündigung

Ungeachtet der beschriebenen  ordentlichen Kündigungsrechte, kannst du natürlich jederzeit mit der Bank eine Sonderkündigung vereinbaren.

Was ist die Vorfälligkeitsentschädigung?

Banken sind in Fällen einer Sonderkündigung berechtigt, eine  Vorfälligkeitsentschädigung zu verlangen. Dies bedeutet, dass du die Zinsen, die im Laufe der vereinbarten Rückzahlung angefallen wären, aufbringen musst. Nur so kannst du dich als Darlehensnehmer vom Vertrag freikaufen.

Wie erfolgt die Festsetzung der Vorfälligkeitsentschädigung?

Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung ist individuell zu vereinbaren. Da bei den meisten Darlehen die Banken diese Entschädigung beliebig hoch ansetzen können, solltest du anschließend an das Gespräch nochmal detailliert durchrechnen, ob sich die Kündigung aktuell wirklich lohnt. Eine Ausnahme dazu bilden Immobilienkredite, falls du die betroffene Immobilie verkaufen musst. Hier schreibt der Gesetzgeber vor, dass nur die tatsächlich ausgefallenen Zinsen berechnet werden dürfen. Falls Sondertilgungen vereinbart waren, muss die Bank davon ausgehen, dass der Kreditnehmer jede Sondertilgung genutzt hätte.

Fallen Gebühren für die Berechnung an?

Den Banken ist es erlaubt, eine Gebühr für die Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung zu erheben. Verbraucherschützer raten dazu, eine Gebühr von über 150 Euro nicht zu akzeptieren. Gesetzlich begrenzt ist sie jedoch nicht. Die Begrenzung der Vorfälligkeitsentschädigung zieht auch dann, wenn du im Rahmen der Umschuldung deinen Kreditrahmen erhöhst, dies aber nur bei einem anderen Kreditinstitut tun kannst.

Die Kündigung des Darlehens richtig aussprechen

Konsultiere deinen Finanzberater

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, vor der Kündigung des Darlehens mit dem persönlichen Bankberater über die finanzielle Situation zu sprechen. Die Kündigung des Darlehens ist nämlich nicht immer die optimalste Lösung – auch wenn du das Recht zur Kündigung hast. Insbesondere bei Umschuldungen kann es sinnvoll sein, erst die Möglichkeiten gemeinsam zu erörtern. 

Wenn du zum jetzigen Zeitpunkt dein Darlehen nicht ordentlich kündigen kannst und somit die Zustimmung deiner Bank benötigst, ist ein Gespräch ohnehin unumgänglich.

Enthält dein Kündigungsschreiben alle relevanten Informationen?

Hast du alle Möglichkeiten durchgerechnet und kommst zu dem Ergebnis, dass du dein Darlehen kündigen möchtest, kannst du schriftlich die Kündigung aussprechen. Teile deinem Kreditinstitut mit, um welches Darlehen es sich genau handelt. Deine Kundennummer, die Kredithöhe und das Datum des Vertragsabschlusses sind wichtig, um die Kündigung eindeutig zuzuordnen. 

Sofern du Verhandlungen zur Vorfälligkeitsentschädigung geführt hast und eine Einigung erzielt wurde, solltest du darauf im Kündigungsschreiben unbedingt hinweisen. Bitte auch ausdrücklich um eine ausführliche Abrechnung, damit du den exakten, zu zahlenden Geldbetrag kennst.

Was du nach der Kündigung beachten musst

Überweisen des Restbetrages

Damit die Kündigung deines Darlehens wirksam ist, musst du innerhalb von zwei Wochen das ausstehende Geld an die Bank überweisen. Lässt du diese Zeit verstreichen, gilt die Kündigung als nicht ausgesprochen. Damit hättest du alle Vereinbarungen verloren, Fristen versäumt und dein Vertrag würde ganz normal weiterlaufen.

Fehlerhafte Abrechnung. Was nun?

Selbst wenn dir die Abrechnung der Bank fehlerhaft oder unvollständig vorkommt, darfst du die Zweiwochenfrist nicht versäumen. Du kannst noch bis zu drei Jahre danach dagegen Einspruch erheben. Allerdings solltest du, um dir dieses Recht zu erhalten, keinen Aufhebungsvertrag mit deiner Bank unterschreiben.

Benötigst du Hilfe bei der Prüfung deiner Abrechnung? Dann wende dich an eine Verbraucherzentrale in deiner Nähe. Für rund 50 Euro checkt diese die Berechnung deiner Bank gegen. So kannst du auf Nummer sicher gehen, dass alles seine Richtigkeit hat. 

veröffentlicht am 07.04.2015

Bild von Jonas Franke

Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
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