Fristlose Kündigung

Wir sagen dir, was du beachten musst!


Gekündigt - fristlos!

Zwischen dir und deinem Arbeitgeber stimmt die Chemie nicht mehr? Dann könnte es durchaus zu einer außerordentlichen Kündigung kommen. Das bedeutet, dass dein Arbeitsverhältnis einseitig beendet wird, obwohl im Vertrag eigentlich etwas anderes vereinbart wurde. Von einer außerordentlichen Kündigung spricht man auch dann, wenn fristlos oder mit einer verkürzten Frist gekündigt wird.
 
Wenn dein Arbeitgeber dir fristlos bzw. außerordentlich kündigt, kann das auch betriebsbedingte Gründe nach § 622 BGB haben, wie beispielsweise eine zurückgehende Auftragslage oder sogar die Schließung des Betriebes. In diesem Fall gelten feste Kündigungsfristen. Man spricht dann auch von einer Kündigung mit Auslauffrist.

Fristlose Kündigung: Was sind die Voraussetzungen?

Wenn du nicht selber der Kündigende bist, ist eine fristlose bzw. außerordentliche Kündigung durchaus, sagen wir mal: herausfordernd. Du verlierst sofort deine Anstellung, bekommst kein Gehalt mehr und wirst auch noch bei der Agentur für Arbeit gesperrt – weswegen du innerhalb der ersten zwölf Wochen deiner Arbeitslosigkeit kein Arbeitslosengeld bekommst. 
 
Klingt nach Horror? Ist es auch! Aber keine Panik: Ganz so einfach ist es nicht, fristlos zu kündigen. Es müssen schon triftige Gründe vorliegen – und einige strenge Voraussetzungen erfüllt sein.

Wichtiger Grund: Unzumutbarkeit

Gleich vorweg: Eine vollständige Liste mit exakten Gründen gibt es nicht für die fristlose Kündigung. Der Einzelfall ist entscheidend. Es gibt jedoch einen Aspekt, der stets gegeben sein muss: die Unzumutbarkeit. Dem Arbeitgeber muss eine Einhaltung der Kündigungsfrist nicht mehr zumutbar sein. 
 
Umgekehrt gilt das aber auch: Schließlich kann auch für dich die Fortführung des Vertragsverhältnisses unzumutbar werden, zum Beispiel durch sexuelle Belästigung, Mobbing oder ähnliches. 
 
In der Regel wird eine außerordentliche Kündigung durch ein Fehlverhalten des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Falls die fristlose Kündigung vor einem Arbeitsgericht überprüft wird, liegt die Beweispflicht der Gründe beim Arbeitgeber.
 
Auch wenn es keine grundsätzlichen Kündigungsgründe gibt, handelt es sich bei den nachstehenden um Gründe, die bereits in arbeitsgerichtlichen Entscheidungen bestätigt wurden:
 
  • Arbeitsverweigerung: Der Arbeitnehmer muss die Arbeit beharrlich verweigern. Hier reicht es nicht aus, wenn er eine Weisung des Arbeitgebers nicht befolgt. Zudem ist beim Vorliegen einer Arbeitsverweigerung eine vorherige Abmahnung notwendig.
  • Beleidigung: Wenn ein Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber beleidigt, liegt normalerweise ein erheblicher Verstoß gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten vor.
  • Geschäftsschädigende Äußerungen: Der Arbeitgeber verbreitet Äußerungen, welche geschäftsschädigend für seinen Arbeitgeber sind.
  • Betrug, Diebstahl und Veruntreuung: Unabhängig von der Schadenshöhe stellen Betrug, Diebstahl oder Veruntreuung zu Lasten des Arbeitgebers, welche dem Arbeitnehmer aufzuerlegen sind, einen wichtigen Kündigungsgrund dar.
  • Straftat: Es besteht ein Verdacht auf das Vorliegen einer Straftat. Dabei muss diese zwar nicht bewiesen werden, jedoch reicht auch die bloße Vermutung nicht für eine fristlose Kündigung aus. Deshalb ist der Arbeitnehmer zunächst durch den Arbeitgeber zu verhören.
  • Eigenmächtiger Urlaubsantritt: Der Arbeitnehmer tritt eigenmächtig seinen Urlaub an, ohne dass der Arbeitgeber diesen bewilligt hat.
  • Sexuelle Belästigung: Ein Arbeitnehmer hat einen seiner Kollegen sexuell belästigt.
  • Mobbing: Ein Vorgesetzter oder ein Mitarbeiter mobbt einen anderen Kollegen. Hierbei entscheidet auch wieder der Einzelfall. Bei schwerwiegendem Mobbing kann mitunter sogar eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung erfolgen.
  • Konkurrenztätigkeit: Der Arbeitnehmer führt eine unerlaubte Tätigkeit für ein Konkurrenzunternehmen aus.
  • Arbeitszeitbetrug: Der Arbeitnehmer manipuliert seine Arbeitszeit, indem er beispielsweise falsche Zeiten angibt.
  • Private Telefonanrufe sowie Internetnutzung: Es werden unerlaubt und ohne Wissen des Arbeitgebers heimlich am Arbeitsplatz über die Telefonleitung des Unternehmens private Anrufe vom Arbeitnehmer geführt. Auch das Internet sowie der E-Mail-Verkehr darf während der Arbeitszeit nicht für private Zwecke verwendet werden – es sei denn, der Arbeitgeber erlaubt dies ausdrücklich.
  • Datenlöschung: Der Arbeitnehmer löscht Kundendaten oder Schriftverkehr auf seinem Arbeitsrechner, wodurch der Arbeitgeber keinerlei Zugriff mehr auf diese Daten hat.
 
Beide Seiten müssen berücksichtigt werden
 
Wenn der Kündigungsgrund bewertet werden soll, müssen dabei die Interessen beider Seiten berücksichtigt werden. Demnach müssen auch solche Umstände bedacht werden, die dich als Arbeitnehmer im Zweifelsfall entlasten. Natürlich geht es hier oft um Soziales, also darum, wie hart dich der Arbeitsplatzverlust treffen würde und ob das wiederum in einem angemessenen Verhältnis zum Kündigungsgrund steht. 
 
Je länger dein Arbeitsverhältnis besteht, desto schwieriger ist es, dir außerordentlich zu kündigen – selbst mit einem schwerwiegenden Grund. Es wird immer vorausgesetzt, dass das Vertrauensverhältnis zwischen dir und deinem Arbeitnehmer umso enger ist, je länger du beschäftigt bist. 
 
Wenn du also jahrelang anstandslos gearbeitet hast, kann dir wegen eines einmaligen Verstoßes in der Regel nicht fristlos gekündigt werden – es sei denn, der Verstoß war so schwerwiegend, dass das Vertrauensverhältnis dauerhaft gestört sein wird.
 
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Fristlos kündigen: Nur innerhalb von zwei Wochen

Nach § 626 Absatz 2 BGB darf nur innerhalb einer zweiwöchigen Erklärungsfrist gekündigt werden: Die Frist beginnt in dem Moment, in dem der Grund der außerordentlichen Kündigung bekanntgegeben wird. Demnach muss das Kündigungsschreiben also vor Ablauf dieser Erklärungsfrist dem Arbeitnehmer zugestellt werden – ein wichtiges Detail! 

Wichtige Gründe für eine fristlose Kündigung des Arbeitnehmers

Die besagten triftigen Gründe für eine außerordentliche Kündigung müssen im Kündigungsschreiben selbst nicht angegeben werden. Wenn der Arbeitnehmer sie jedoch wissen möchte, müssen sie ihm nach § 626 Absatz 2 Satz 3 BGB unverzüglich und schriftlich mitgeteilt werden.
 
 
Umfassende Interessenabwägung – Abmahnung erforderlich 
Sobald es einen wichtigen Grund gibt, der zu einer fristlosen Kündigung des Arbeitnehmers führen kann, handelt es sich bei allem Folgenden um eine Einzelfallentscheidung. Um zu einem Ergebnis zu kommen, müssen zunächst die Interessen aller Beteiligten abgewogen werden. Folgende Punkte sind dabei zu betrachten:
 
  • Schwere des Pflichtverstoßes
  • Dauer der Betriebszugehörigkeit
  • bestehende Unterhaltsverpflichtungen sowie
  • bisherige Gestaltung des Arbeitsverhältnisses
Vielleicht stellt sich bei dieser Abwägung heraus, dass eine außerordentliche Kündigung gar nicht notwendig ist – und du stattdessen einfach in eine andere Abteilung versetzt wirst oder eine andere Art der Kündigung (beispielsweise eine ordentliche Kündigung) für die Beseitigung der Störung ausreichend ist.
 
Die fristlose Kündigung ist ohnehin das absolut letzte Mittel, um einen Konflikt zu lösen und, den Arbeitnehmer schnell aus seiner Beschäftigung zu entlassen. Vorher muss in der Regel abgemahnt werden.
 
Die Abmahnung muss dir als Arbeitnehmer schriftlich ausgesprochen werden und sie muss benennen, inwiefern gegen den Arbeitsvertrag verstoßen wurde. Daher kann man eine Abmahnung auch als Beanstandung deiner Arbeitsleistung verstehen – und gleichzeitig als Androhung einer Kündigung, wenn es zu einer Wiederholung kommen sollte. 
 
Auf eine Abmahnung kann jedoch verzichtet werden, wenn der Verstoß besonders gravierend war und im Vertrauensbereich des Arbeitsverhältnisses stattgefunden hat: zum Beispiel, wenn du deine Treuepflicht gegenüber deinem Arbeitnehmer verletzt. Folglich ist eine Abmahnung immer dann hinfällig, wenn besonders schwere Pflichtverstöße wie Fälle von Straftatbeständen, Vermögensdelikten sowie der Verunglimpfung des Arbeitgebers vorliegen.
 
Umgekehrt bedeutet das aber auch: Je geringer ein Verstoß, umso eher muss abgemahnt werden. 

Fristlose Kündigung: Wann sie unwirksam ist

In einigen Fällen kann eine fristlose Kündigung auch unwirksam sein. Hat das Unternehmen, in dem du arbeitest, einen Betriebsrat? Dann muss dieser vor Aussprache der außerordentlichen Kündigung angehört werden. Wenn nicht – ist die Kündigung vorerst unwirksam. Der Betriebsrat muss einer außerordentlichen Kündigung zustimmen und eventuelle Bedenken dem Arbeitgeber unverzüglich mitteilen.
 
Werden bestimmte Arbeitnehmer wie Angehörige des Betriebsrates, Schwangere oder Behinderte fristlos gekündigt, müssen bestimmte gesetzliche Formalitäten eingehalten werden. Beispielsweise muss der Arbeitgeber vor der Kündigung eines Schwerstbehinderten die Zustimmung des Integrationsamtes einholen.

Fristlose Kündigung erhalten: Was jetzt?

Falls du eine fristlose Kündigung von deinem Arbeitgeber ohne Angabe von Gründen erhalten hast, solltest du unverzüglich eine schriftliche Mitteilung des Kündigungsgrundes einfordern. Auch solltest du einen Anwalt auf dem Gebiet des Arbeitsrechtes hinzuziehen. Dadurch vermeidest du, dass dir eventuell mehr Nachteile als nötig entstehen.
 
Zusammen mit deinem Anwalt solltest du dann entscheiden, ob du gegen die fristlose Kündigung vorgehen möchtest oder nicht. Hierfür hast du in der Regel ab Erhalt der Kündigung drei Wochen Zeit. Wenn du dagegen vorgehst, wird eine Kündigungsschutzklage ausgesprochen. Ziel ist es, dass die fristlose Kündigung für unwirksam erklärt wird und z. B. eine ordentliche Kündigung ausgesprochen und auch ein Aufhebungsvertrag mit einer Abfindung vereinbart wird.

Vorlage für eine fristlose Kündigung zum Herunterladen

Fristlos kündigen? Das kannst du auch! Nämlich mit unserer Vorlage, die wir extra für dich vorbereitet haben. Lade sie dir hier kostenlos herunter: Du brauchst dann nur noch die markierten Felder mit deinen Daten zu ergänzen – fertig!

Fristlose Kündigung: Besondere Fälle

Mietwohnung
Als Wohnungsmieter steht dir ein hoher Kündigungsschutz zu. Laut Gesetz darf dein Vermieter das Vertragsverhältnis daher nur mit einem besonderen Grund kündigen. Welche Gründe das sind und wie du die fristlose Kündigung deiner Wohnung verhindern kannst, erfährst du in unserem Ratgeber "Fristlose Kündigung eines Mieters".
 
 
Fitnessstudio
Selbst wenn du vor dem Abschluss des Vertrags mit einem Fitnessstudio ein oder mehrere Probetrainings absolviert hast, kann es sein, dass du nach Wochen oder gar Monaten mit den Leistungen des Studios nicht zufrieden bist oder andere Gründe für eine Kündigung sprechen. 
 
Leider können die meisten Verträge nur unter Einhaltung einer Kündigungsfrist zum Ende der vertraglich vereinbarten Mindestlaufzeit gekündigt werden. Nur in Ausnahmefällen ist die fristlose Kündigung des Fitnessstudios umsetzbar. Lies in unserem Ratgeber "Fristlose Kündigung im Fitnessstudio", welche das sind und welche Formalitäten du beachten musst.

Jonas Franke
Heike Jestram
Heike Jestram arbeitet als Autorin in Berlin. Seit 2016 unterstützt sie volders und schreibt Ratgeber zu Verträgen und Kündigungen. Durch den digitalen Vertragsassistenten können viele Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewinnen.