Eine Direktversicherung kündigen

Tipps von unseren Volders-Vertragsmanagern

Was ist eine Direktversicherung?

Was eine Direktversicherung ist, weiß du sicher schon. Wir erklären es trotzdem noch mal: 
 
  • Direktversicherungen sind eine besondere Form der Kapitallebensversicherungen (betriebliche Altersvorsorge). 
  • Eine Direktversicherung wird vom Arbeitgeber für seine Angestellten abgeschlossen.
  • Die Beiträge für diese Versicherung sind ein Teil des Gehaltes. 
  • Mit dem Erreichen des Rentenalters kann der Versicherte entscheiden, ob er die Versicherungssumme in Form einer Einmalzahlung oder als lebenslange Rente erhalten möchte.
 
Wichtig: Als Beitrag zur betrieblichen Altersvorsorge bleiben die Beiträge von der Berechnung der Steuern und der Sozialversicherungsbeiträge ausgenommen!
 
Da heute allerdings immer weniger Arbeitnehmer ihr komplettes Arbeitsleben bei einem Arbeitgeber bleiben, ist die Frage nach der Kündigung einer Direktversicherung aktuell wie nie. Aber: Sie ist gar nicht so einfach zu beantworten, da Antragsteller und Versicherter nicht die gleiche Person sind.

Kündigung durch den Arbeitgeber nicht möglich?

Wenn dein Chef versucht, die Direktversicherung zu kündigen, die er für seine Angestellten abgeschlossen hat, wird er keinen Erfolg haben. Die Beiträge zur Versicherung sind Teil deines Gehaltes – und nur du kannst über die Versicherung verfügen. Das wäre also so, als würde dir dein Chef nachträglich einen Teil deines Gehaltes wieder abnehmen. 
 
Aber: Wenn dein Arbeitsvertrag aufgelöst wird, ist er nicht verpflichtet, die Beiträge weiter zu bezahlen. Ob du kündigst oder dein Arbeitgeber, ist dabei unerheblich. In diesem Fall liegt allerdings keine Kündigung der Direktversicherung vor. Der Vertrag wird lediglich auf dich übertragen (Recht auf "Portabilität"), was dir alleinige Entscheidungsfreiheit dafür lässt, wie du weiter vorgehen willst. 

Kündigung durch den Versicherer?

Falls das Unternehmen, in dem du arbeitest, insolvent wird und die Beiträge zur Direktversicherung nicht mehr zahlt, kann die Police ebenfalls nicht so einfach gekündigt werden. Direktversicherungen sind selbst gegen die Insolvenz der Antragsteller versichert. So wird garantiert, dass dieser Teil deines Gehalts auch tatsächlich bei dir ankommt. Nach Bekanntwerden der Insolvenz kann es jedoch sein, dass der Versicherer dich beauftragt, über den weiteren Ablauf mit der Versicherung zu entscheiden.

Direktversicherung nach Arbeitsplatzverlust?

Eine frisch auf dich übertragene Direktversicherung kannst du privat weiter zahlen, um die Altersvorsorge aufrechtzuerhalten. In diesem Fall steht dir allerdings nicht die vorher gewährte Steuerfreiheit der Beiträge zu. Der Vertrag verliert ein wenig an Attraktivität, wenn er nicht mehr im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses fortgeführt wird – weil du die Steuervorteile nicht nutzen kannst.
 
Wenn du keinen Arbeitgeber hast, der die Versicherung übernehmen möchte, kannst du den Vertrag auch beitragsfrei stellen. In diesem Fall musst du nichts mehr einzahlen und erhältst die bis dahin angesparte Versicherungssumme oder die entsprechend niedrige monatliche Rente im Alter ausgezahlt.

Und was ist bei neuem Arbeitsplatz bzw. Arbeitsplatzwechsel?

Wenn du bereits eine neue Arbeit hast, kannst du mit deinem neuen Arbeitgeber vereinbaren, dass der Vertrag dort weitergeführt wird. Dein Arbeitgeber ist übrigens grundsätzlich verpflichtet, eine solche Versicherung anzubieten. Eventuell muss dafür das Versicherungsunternehmen gewechselt werden, was dein neuer Arbeitgeber aber beeinflussen kann. Wie dann alles weitere abläuft, kannst du direkt mit der Versicherung besprechen. 

Direktversicherung kündigen?

Die Policen einer Direktversicherung müssen eine Unkündbarkeitsklausel enthalten – um die steuerlichen Vorteile zu rechtfertigen. Das bedeutet, dass du die Direktversicherung nicht vor dem 60. Lebensjahr kündigen kannst (Verfügungsbeschränkung in § 2 Abs. 2 BetrAVG). 
Allerdings stehen dir die Optionen der Übertragung und der Beitragsfreistellung offen. Das Beleihen und Verpfänden der Police ist hingegen ausdrücklich ausgeschlossen. 
 
Da die Beiträge der Versicherung steuerfrei sind, musst du im Alter auf die Erträge der Versicherung noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Lediglich die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung sparst du durch diese Verzögerung tatsächlich ein.
 
Fazit: Eine Direktversicherung einfach so mal kündigen, ist nicht drin. Dafür bietet sie dir allerdings auch so viele Vorteile, dass das oft gar nicht nötig ist. 

Jonas Franke
Heike Jestram
Heike Jestram arbeitet als Autorin in Berlin. Seit 2016 unterstützt sie volders und schreibt Ratgeber zu Verträgen und Kündigungen. Durch den digitalen Vertragsassistenten können viele Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewinnen.