Die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber

Was ist wann möglich - Jetzt alle Informationen auf einem Blick

Zwar sieht der Gesetzgeber bei der Kündigung eines Arbeitsvertrags eine Kündigungsfrist vor, aber unter Umständen muss diese nicht eingehalten werden. Die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer oder den Arbeitgeber erläutern wir in unserem Ratgeber. Lies, welche Gründe dazu berechtigen und was formal beachtet werden muss.

  1. Was versteht man unter einer fristlosen Kündigung
  2. Welche Gründe berechtigen zur fristlosen Kündigung durch den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber?
  3. Welche Form muss die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer oder den Arbeitgeber haben?
  4. Alternativen zur fristlosen Kündigung durch den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber

Wenn du als Arbeitnehmer einen Arbeitsvertrag unterschreibst, bindest du dich meistens für längere Zeit an einen Arbeitgeber, eine bestimmte Tätigkeit und einen Arbeitsort. Möchtest du dich beruflich verändern oder gefällt dir die Arbeit nicht mehr, kannst du den Arbeitsvertrag ordentlich unter Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen. Manchmal gibt es jedoch Situationen, die das Aufrechterhalten des Arbeitsverhältnisses unmöglich machen. Dann wird über die fristlose Kündigung nachgedacht, die unter bestimmten Umständen durch den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber möglich ist.

Was versteht man unter einer fristlosen Kündigung

Die fristlose Kündigung, auch als außerordentliche oder Sonderkündigung bekannt, erlaubt die Beendigung eines Vertragsverhältnisses aus einen wichtigem Grund, ohne dass die gesetzlich vorgeschriebene beziehungsweise die im Einzelvertrag oder Tarifvertrag vereinbarte Kündigungsfrist eingehalten werden muss. Den Arbeitsvertrag fristlos kündigen, kann nicht nur der Arbeitnehmer, sondern auch der Arbeitgeber. Grundlage für die fristlose Kündigung im Allgemeinen ist § 314 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch). Im Arbeitsrecht muss außerdem § 611 BGB beachtet werden, in dem es um die vertragstypischen Pflichten bei Arbeits- und Dienstverträgen geht. Die fristlose Kündigung ist in der Regel nicht komplett fristlos, denn sie muss innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntwerden des dazu berechtigenden Grundes ausgesprochen werden.

Welche Gründe berechtigen zur fristlosen Kündigung durch den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber?

Zwei wichtige Gründe für die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer oder den Arbeitgeber ergeben sich aus § 611 BGB. Der Arbeitnehmer wird in diesem nämlich zur Erbringung der vertraglich vereinbarten Leistungen verpflichtet. Der Arbeitgeber muss im Gegenzug die vereinbarte Vergütung leisten. Daneben gibt es zahlreiche weitere Gründe, die zu der fristlosen Kündigung durch den Arbeitnehmer oder den Arbeitgeber führen können. Diese sind nicht gesetzlich geregelt und müssen im Zweifelsfall durch ein Arbeitsgericht geprüft werden. Erkennt der Vertragspartner die außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund nicht an, solltest du daher einen Anwalt für Arbeitsrecht einschalten. Das gilt natürlich auch, wenn du die fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber als nicht berechtigt ansiehst. Als Mitglied einer Gewerkschaft kannst du dich übrigens in vielen Fällen auch dort beraten lassen. Weitere Gründe, die in der Vergangenheit zu einer fristlosen Kündigung berechtigt haben, erfährst du hier.

Gründe für die fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber

Die fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber ist in vielen Fällen im Verhalten des Arbeitnehmers begründet. Meistens muss ihr eine Abmahnung vorausgehen oder der Betriebsrat eingeschaltet werden, bevor sie wirksam wird. Außerdem geht der Gesetzgeber in § 626 BGB davon aus, dass vor dem Aussprechen der fristlosen Kündigung den Arbeitnehmer entlastende Momente geprüft werden müssen. Ist dieser in der Vergangenheit seinen Pflichten ohne Beanstandung nachgekommen, werden die meisten Arbeitsgerichte der fristlosen Kündigung nicht zustimmen. Wichtige Gründe sind beispielsweise:

  • Mobbing von Kollegen
  • Beleidigung des Arbeitgebers, der Kollegen und der Kunden
  • sexuelle Belästigung des Arbeitgebers, der Kollegen und der Kunden
  • unberechtigtes Freigeben von Betriebsgeheimnissen
  • Arbeitsverweigerung
  • unentschuldigtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz
  • Alkoholkonsum oder Trunkenheit am Arbeitsplatz
  • Diebstahl von Firmeneigentum oder Dingen, die Kollegen oder Kunden gehören
  • Ausüben privater Tätigkeiten während der Arbeitszeit, wie beispielsweise ständige Privatgespräche oder Surfen im Internet zu nicht dienstlichen Zwecken

Gründe für die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer

Auch die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer ist nur aus besonderen Gründen möglich. Ein Umzug zum Beispiel berechtigt dazu nicht. Selbst beim Vorliegen der im Folgenden genannten Gründe, solltest du die außerordentliche Kündigung nicht leichtfertig einreichen, sondern dich idealerweise mit dem Betriebsrat, der Gewerkschaft oder einem Anwalt besprechen. Anlässe, um fristlos zu kündigen, sind zum Beispiel:

  • du erhältst keinen Lohn für deine Arbeit
  • der Arbeitgeber verweigert die Zahlung der Sozialabgaben
  • du siehst dich am Arbeitsplatz Mobbing oder sexueller Belästigung durch den Arbeitgeber, durch Mitarbeiter oder durch Kunden ausgesetzt
  • es besteht die Gefahr einer Gesundheitsgefährdung, weil wichtige Arbeitsschutzbestimmungen nicht eingehalten werden
  • du wirst aufgrund deines Geschlechts, deines Alters, der Religion oder der Hautfarbe am Arbeitsplatz diskriminiert
  • der Arbeitgeber fordert dich auf, Straftaten zu begehen
Tipp: Wenn du mehr zum Thema Kündigung erfahren möchtest, lies auch unsere anderen Ratgeber, zum Beispiel zur fristlosen Kündigung der Wohnung und des Mietvertrags.

Welche Form muss die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer oder den Arbeitgeber haben?

Das BGB sieht in § 626 vor, dass sowohl die ordentliche als auch die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer oder den Arbeitgeber innerhalb einer Frist von zwei Wochen schriftlich erfolgen muss. Diese beginnt dann, wenn der Kündigende Kenntnis vom Grund erlangt hat, der zur fristlosen Kündigung berechtigt. Es gibt keine bestimmte Form für das Kündigungsschreiben und auch die Angabe des Kündigungsgrundes wird durch den Gesetzgeber nicht vorgeschrieben. Allerdings muss dieser dem Vertragspartner auf Verlangen umgehend schriftlich genannt werden. Die fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber erfordert zudem die Beachtung weiterer Aspekte:

  • der Arbeitnehmer muss von seiner Meldepflicht bei der Agentur für Arbeit unterrichtet werden
  • der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer eine Arbeitsbescheinigung zur Vorlage bei der Agentur für Arbeit ausstellen
  • der Betriebsrat muss gegebenenfalls über die fristlose Kündigung benachrichtigt werden
Tipp: Du möchtest einen Vertrag fristlos oder ordentlich kündigen und weißt nicht, wie du das Kündigungsschreiben formulieren sollst? Melde dich einfach für unseren kostenlosen Kündigungsservice an. Nach der Anmeldung stehen dir in deinem persönlichen Account für die ordentliche und die fristlose Kündigung Muster und Formulare zur Verfügung. Außerdem kannst du unseren Versandservice nutzen, der zum Teil gratis ist.

Alternativen zur fristlosen Kündigung durch den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber

Nicht immer ist die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer oder den Arbeitgeber der letzte Ausweg. Können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer ohne den Gang vor das Arbeitsgericht einigen, gibt es weitere Möglichkeiten, die für beide Seiten meistens stressfreier sind. Soll das Arbeitsverhältnis nicht aufrechterhalten werden, empfiehlt sich für den Arbeitnehmer die ordentliche Kündigung mit der gesetzlichen Kündigungsfrist von vier Wochen zum Monatsende oder zum 15. eines Monats. Für den Arbeitgeber kann dieser Weg jedoch schwieriger werden, da er je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit des Arbeitnehmers wesentlich längere Kündigungsfristen einhalten muss. Diese sind in § 622 BGB gesetzlich geregelt. Unter Umständen empfehlen sich daher je nach Grund die Änderungskündigung oder ein Aufhebungsvertrag.

Die Änderungskündigung

Die Änderungskündigung kann nach § 2 Kündigungsschutzgesetz (KSchG) ausgesprochen werden und setzt das Vertragsverhältnis unter anderen Bedingungen fort. Als Ersatz für die fristlose Kündigung eines Arbeitsvertrags kann sie zum Beispiel im Falle von Mobbing hilfreich sein, wenn der Arbeitnehmer dadurch in eine andere Filiale oder Abteilung des gleichen Betriebs versetzt wird. Der Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet, einer Änderungskündigung zuzustimmen.

Der Aufhebungsvertrag

Mit einem Aufhebungsvertrag, auch Auflösungsvertrag genannt, wird ein Vertragsverhältnis einvernehmlich beendet. Das setzt bei einem Arbeitsverhältnis voraus, dass sich der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber einig sind. Die Einhaltung einer Kündigungsfrist ist dann in diesem Fall nicht notwendig, die Schriftform muss aber gemäß § 623 BGB eingehalten werden. Wenn du nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses noch keine neue Stelle in Aussicht hast oder durch den Arbeitgeber keine sehr hohe Abfindung erhältst, solltest du einem Aufhebungsvertrag allerdings nicht zustimmen. Es besteht nämlich die Gefahr einer Sperrzeit sowie eine Verringerung der Anspruchsdauer beim Arbeitslosengeld. Grund hierfür ist es, dass du an der Beendigung des Arbeitsverhältnisses mitgewirkt und dadurch die Arbeitslosigkeit selbst verursacht hast.

Fazit: Die fristlose Kündigung eines Arbeitsvertrags ist durch den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber immer dann möglich, wenn gewichtige Gründe dessen Fortsetzung für eine oder für beide Seiten unmöglich machen. Die Kündigung muss schriftlich innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntwerden des jeweiligen Grundes erfolgen. Kündigt der Arbeitgeber fristlos, muss jedoch häufig eine Abmahnung vorausgehen. Es kann sinnvoll sein, Alternativen zur außerordentlichen Kündigung zu prüfen.

Bild von Heike Jestram

Autorin ist Heike Jestram

Heike Jestram arbeitet als Autorin in Berlin. Seit 2016 unterstützt sie volders und schreibt Ratgeber
zu Verträgen und Kündigungen. Durch den digitalen Vertragsassistenten können
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