Ausbildungsvertrag kündigen

Wann ist ein Ausbildungsabbruch wirklich sinnvoll?

  1. Kündigung vor dem Beginn der Ausbildung
  2. Ausbildungskündigung in der Probezeit
  3. Nach dem Ende der Probezeit kündigen
  4. Der Aufhebungsvertrag innerhalb einer Ausbildung

Die Kündigung des Ausbildungsplatzes sollte gut überlegt sein

Eine Ausbildung legt den ersten Grundstein für den beruflichen Werdegang. Allerdings kann es vorkommen, dass Azubis mit ihrer Ausbildungsplatzwahl unzufrieden sind oder sich generell im Unternehmen nicht wohlfühlen.

Dann empfiehlt sich in der Regel ein Ausbildungsplatzwechsel, für welchen zunächst die Kündigung des alten Ausbildungsvertrags notwendig ist. Diese sollte grundsätzlich gut überlegt sein. In einigen Branchen ist es mitunter üblich, dass jeder zweite Auszubildende den Vertrag vorzeitig kündigt - wie beispielsweise bei Friseuren oder Köchen.

Die Möglichkeit einer Kündigung richtet sich nach der Phase des Ausbildungsverhältnisse und sind gesetzlich streng geregelt. Dabei werden die Möglichkeiten einer Kündigung nach der jeweiligen Phase der Ausbildung bestimmt.

Kündigung vor Beginn der Ausbildung

Wenn du einen Ausbildungsvertrag unterschreibst und diesen vor Antritt der Ausbildung wieder kündigen möchtest, gibt es hierfür keine gesetzlichen Normen. Das Bundesarbeitsgericht hat dahingehend allerdings entschieden, dass der Vertrag dann ohne eine Einhaltung von Fristen und ohne eine Angabe von Gründen von beiden Seiten aus gekündigt werden kann. Dies gilt jedoch nur, wenn beide Parteien keine abweichenden Regelungen vereinbart haben.

Es kommt mitunter auch vor, dass der Azubi ohne Kündigung bei Beginn der Ausbildung einfach nicht erscheint. Nach dem Berufsbildungsgesetz besteht in diesem Fall aber auf Seiten des Auszubildenden keine Schadensersatzpflicht.

Kündigung innerhalb der Probezeit

Auch während der Ausbildung gibt es eine Probezeit. Diese wird im Vertrag vereinbart und kann eine Dauer von mindestens einem Monat und maximal vier Monaten haben. Wie der Name bereits verrät, dient diese Zeit der Erprobung des Ausbildungsverhältnisses, weswegen innerhalb dieser erleichterte Kündigungsmöglichkeiten bestehen.

In §22 des Berufsausbildungsgesetzes ist festgelegt, dass die Kündigung während der Probezeit beidseitig ohne eine Fristeinhaltung oder einen Grund ausgesprochen werden kann. Jedoch besteht ein Maßregelungsverbot, durch welches eine willkürliche Kündigung seitens des Arbeitgebers unterbunden werden soll. Demnach darf beispielsweise der Arbeitgeber einen Auszubildenden nicht aus dem Grund kündigen, dass dieser ihm auf die Einhaltung des Jugendarbeitsschutzgesetzes hinweist oder ähnliches. Das Maßregelungsverbot sieht nämlich vor, dass der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nicht kündigen darf, nur weil dieser seine Rechte ausübt.

Wie auch bei einem normalen Arbeitsverhältnis muss das Kündigungsschreiben schriftlich verfasst werden und sollte dem Empfänger noch vor dem Ende der Probezeit zugehen. Für die Kündigung sollten außerdem die folgenden Punkte beachtet werden:

  • Falls der Azubi noch minderjährig ist, bedarf es der vorherigen Einwilligung seines gesetzlichen Vertreters. Andersherum gilt: Falls der Ausbildungsbetrieb einem minderjährigen Auszubildenden kündigen möchte, muss dies Kündigung gegenüber dem gesetzlichen Vertreter abgegeben werden.
  • Eine Kündigung innerhalb der Probezeit führt zu keinerlei Sanktionen oder Schadensersatzansprüchen.
  • Die Kündigung während dieser Zeit darf nicht gegen ein im Gesetz festgehaltenes Verbot verstoßen. Hierzu zählt zum Beispiel der besondere Kündigungsschutz innerhalb der Mutterzeit oder während des Erziehungsurlaubs.

Kündigung nach Ablauf der Probezeit

Sobald die Probezeit beendet ist, gelten andere Regelungen bezüglich einer Kündigung des Ausbildungsvertrags.

Kündigung aus wichtigem Grund

Das Ausbildungsverhältnis kann nur bei einem wichtigen Grund ohne Einhaltung von Fristen gekündigt werden. Ein wichtiger Grund ist immer dann vorhanden, wenn eine Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses bis zu dessen Ablauf unter Berücksichtigung aller individuellen Umstände für den Kündigenden nicht zumutbar ist. Allerdings ist in diesem Fall eine Abwägung der Interessen beider Vertragsparteien notwendig.

Falls die Gründe den Leistungs- und Verhaltensbereich des Azubis betreffen, ist eine fristlose Kündigung nur zulässig, wenn die vorhandenen Erziehungsmittel des auszubildenden Betriebes nicht zum Erfolg geführt haben. Daher sind eine vorherige schriftliche Abmahnung und die Drohung mit einer Kündigung sinnvoll.Weiterhin sollten die folgenden Punkte beachtet werden:

  • Eine Angabe der Gründe ist unerlässlich, weswegen diese ebenfalls im Kündigungsschreiben genannt werden sollten.
  • Bei einem minderjährigen Auszubildenden muss der gesetzliche Vertreter der Kündigung in Form seiner Unterschrift einwilligen oder die Kündigungserklärung empfangen.
  • Eine Kündigung des Ausbildungsvertrags nach der Probezeit führt immer auch zu Schadensersatzansprüchen beider Parteien. Dieser Anspruch muss jedoch maximal drei Monate nach der Beendigung des Ausbildungsverhältnisses geltend gemacht werden, ansonsten verliert dieser an Gültigkeit.

Kündigung wegen Aufgabe des Berufs

Wenn sich ein Auszubildender nach Ablauf der Probezeit dazu entscheidet, die Berufsausbildung nicht weiter fortzuführen, weil er den Beruf nicht ausüben möchte, hat er eine Kündigungsfrist von vier Wochen. Hier sind Schadensersatzansprüche jedoch grundsätzlich ausgeschlossen. Diese Möglichkeit der Kündigung entspricht einer ordentlichen Kündigung und sollte nur bei einem Wechsel des Ausbildungsberufs und nicht des Ausbildungsplatzes erfolgen.

Der Aufhebungsvertrag innerhalb einer Ausbildung

Falls sich Ausbilder und Auszubildender darüber einig sind, dass - aus welchen Gründen auch immer - eine erfolgreiche Fortführung der Ausbildung nicht möglich ist, können sie sich auch einvernehmlich in Form eines Aufhebungsvertrags einigen. Dafür sollten beide das gegenseitige Gespräch suchen, um eine Möglichkeit zu finden, die beide Seiten zufrieden stellt. Dadurch kann man auch außerhalb des Gesetzes im Guten auseinander gehen.

Bild von Jonas Franke

Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
über 250.000 Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewonnen.
Kündige oder wechsle deine Verträge kostenlos mit nur einem Klick.

Ausbildungsvertrag kündigen
5
3 Bewertungen (5.0 Durchschnitt)