Kündigung ohne Arbeitsvertrag

Dies sind deine Rechte bei einer mündlichen Arbeitsvereinbarung

  1. Wie funktioniert eine mündliche Arbeitsvereinbarung?
  2. Wie wird eine Arbeitsstelle ohne Vertrag gekündigt?
  3. Was muss bei einer außerordentlichen Kündigung beachtet werden?
  4. Welche Alternativen zur Kündigung gibt es?

Angestellt sein ohne einen schriftlichen Vertrag

Die meisten von uns gehen davon aus, dass bei einem Arbeitsverhältnis regelmäßig auch ein schriftlicher Arbeitsvertrag vorhanden ist, durch den beide Parteien ihre Rechte und Pflichten regeln. Allerdings gibt es Situationen, in denen Arbeitnehmer und Arbeitgeber nur einen mündlichen Vertrag schließen. stattdessen einen mündlichen Vertrag schließen.

Formfreiheit bei der mündlichen Arbeitsvereinbarung

In einigen Branchen ist es mitunter üblich, dass kein schriftlicher Arbeitsvertrag geschlossen wird. Dann wirst du quasi „per Handschlag“ eingestellt. Eine solche Vorgehensweise ist rechtmäßig, da für den Abschluss eines Arbeitsvertrags im Allgemeinen Formfreiheit besteht.

Mündliche Vereinbarungen und ihre Problematik

Wenn der Arbeitsvertrag mündlich geschlossen wurde, liegt ein gültiges Arbeitsverhältnis vor. Dennoch kann eine solche Vereinbarung für den Arbeitnehmer problematisch werden. Es besteht ein generelles Beweisproblem. Ein bekanntes Beispiel ist hier die ausbleibende, gestückelte oder ständig verspätete Lohnzahlung: Zwar können deine Kollegen dann vor dem Arbeitsgericht durch ihre Zeugenaussagen beweisen, dass du im Unternehmen arbeitest, allerdings kann die Höhe des mündlich vereinbarten Gehaltes nicht nachgewiesen werden. Besonders schwierig wird dieser Sachverhalt, wenn du und dein Arbeitgeber unterschiedliche Aussagen treffen oder keine Zeugen verfügbar sind.

Am Ende gilt das Gesetz

Bei Streitigkeiten zu mündlich abgeschlossenen Arbeitsverträgen gibt es eine einfache Regelung: Letztendlich gilt das, was im Gesetz steht. Dazu zählen unter anderem die folgenden Punkte:

  • Du hast Anspruch auf die gesetzlich festgeschriebenen Urlaubstage.
  • Du darfst pro Tag nicht mehr als acht Stunden arbeiten. Bei manchen Berufsgruppen beträgt die maximale Arbeitszeit pro Tag zehn Stunden.
  • Du hast einen Anspruch auf den branchen- und berufsüblichen Lohn.
  • Du verfügst ebenso über einen rechtlichen Anspruch auf die im Gesetz geregelten Pausenzeiten.
  • Im Krankheitsfall hast du einen Anspruch auf Lohnfortzahlung.
  • Falls es für deinen ausgeübten Beruf einen Tarifvertrag gibt, so gilt dieser.

Ordentliche Kündigung einer Arbeitsstelle ohne Vertrag

Aus dem § 622 BGB ergibt sich, dass ein Arbeitnehmer seinen Job mit einer Frist von vier Wochen zur Mitte (15.) oder zum Ende eines Kalendermonats kündigen kann. Dies gilt auch, wenn kein schriftlicher Arbeitsvertrag vorliegt. Innerhalb deiner Probezeit beträgt die Kündigungsfrist gemäß § 622 III BGB sogar nur zwei Wochen zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Für den Arbeitgeber gelten per Gesetz gestaffelte Kündigungsfristen, die sich mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit erhöhen. Laut Arbeitsrecht kann dein Arbeitgeber auch längere Kündigungsfristen mit dir vereinbaren. Damit er diese im Bedarfsfall jedoch nachweisen kann, ist er in der Regel auf einen schriftlich verfassten Vertrag angewiesen. Daher gilt bei einem mündlich abgeschlossenen Arbeitsvertrag immer der § 622 BGB.

Wichtig ist, dass die Kündigung auch bei einem Arbeitsverhältnis ohne Vertrag schriftlich verfasst werden muss.

Außerordentlich kündigen bei einem mündlich abgeschlossenen Arbeitsvertrag

Bei der außerordentlichen Kündigung eines mündlichen Arbeitsverhältnisses ist der § 626 I BGB zu beachten. Nach diesem muss ein wichtiger Grund vorliegen, damit ohne eine Einhaltung von Fristen gekündigt werden kann.

Unter einem wichtigen Grund versteht man einen besonders schwerwiegenden Anlass für die Kündigung, durch den beiden Vertragsparteien eine Einhaltung von Kündigungsfristen unzumutbar wäre. Die Kündigung ist dann innerhalb von zwei Wochen auszusprechen, nachdem der zur Kündigung Berechtigte von dem Grund Kenntnis erlangt hat. In der Regel ist auch eine vorherige  Abmahnung notwendig.

Alternative zur Kündigung

Neben einer Kündigung kann auch ein Arbeitsverhältnis ohne Vertrag alternativ mit einem  Aufhebungsvertrag beendet werden. Auch dieser muss eine schriftliche Form aufweisen. Durch solch einen arbeitsrechtlichen Vertrag wird das Beschäftigungsverhältnis einvernehmlich aufgelöst. Dabei kann das Enddatum durch beide Parteien – Arbeitnehmer und Arbeitgeber – frei festgelegt werden.

Bild von Jonas Franke

Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
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