Die Kündigung ohne Arbeitsvertrag

Dies sind deine Rechte bei einer mündlichen Arbeitsvereinbarung!

Angestellt – ohne schriftlichen Vertrag?

Wenn man irgendwo eingestellt wird, kriegt man einen schriftlichen Arbeitsvertrag. So sind wir das eigentlich gewohnt. Aber: Es gibt durchaus auch Situationen, in denen man alles nur mündlich vereinbart. Und wie sieht’s dann mit deinen Rechten aus? Das klären wir hier. 

Formfreiheit: die mündliche Arbeitsvereinbarung

„Per Handschlag“ eingestellt zu werden, ist in einigen Branchen üblich. Das heißt aber nicht, dass euer Vertrag im Zweifelsfall unverbindlich wäre, nur weil er mündlich abgeschlossen wurde. Vielmehr besteht für den Abschluss eines Arbeitsvertrags grundsätzlich Formfreiheit. 

Mündliche Vereinbarungen: Was ist problematisch?

Klar ist schon mal, dass auch bei einem mündlich abgeschlossenen Arbeitsvertrag ein gültiges Arbeitsverhältnis besteht! Für dich als Arbeitnehmer kann es dennoch unter Umständen Probleme geben. 
 
Zunächst einmal hast potentiell immer das Problem, die Vereinbarung zu beweisen. Häufig wird der Lohn zum Beispiel nicht pünktlich oder unregelmäßig gezahlt: Vor dem Arbeitsgericht könnten Kollegen dann zwar bezeugen, dass du im Unternehmen gearbeitet hast – aber nicht, wie hoch der vereinbarte Lohn gewesen ist. Richtig schwierig wird es natürlich, wenn dein Arbeitgeber etwas anderes behauptet als du. Oder wenn es keine Zeugen gibt.  
 
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Am Ende gilt das Gesetz

Im Grunde ist es ganz einfach: Es zählt, was im Gesetz steht – bei mündlichen wie bei schriftlichen Arbeitsverträgen. Deshalb gilt: 
 
  • Du hast Anspruch auf die gesetzlich festgeschriebenen Urlaubstage.
  • Du darfst pro Tag nicht mehr als acht Stunden arbeiten. Bei manchen Berufsgruppen beträgt die maximale Arbeitszeit pro Tag zehn Stunden.
  • Du hast einen Anspruch auf den branchen- und berufsüblichen Lohn.
  • Du verfügst ebenso über einen rechtlichen Anspruch auf die im Gesetz geregelten Pausenzeiten.
  • Im Krankheitsfall hast du einen Anspruch auf Lohnfortzahlung.
  • Falls es für deinen ausgeübten Beruf einen Tarifvertrag gibt, so gilt dieser.

Ordentliche Kündigung einer Arbeitsstelle ohne schriftlichen Vertrag

Einen Arbeitsvertrag kannst du mit einer Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats kündigen – auch wenn er nur mündlich abgeschlossen wurde. Während der Probezeit ist die Kündigungsfrist sogar nur zwei Wochen lang und du kannst jederzeit kündigen, also nicht nur zum 15. oder zum Monatsende.
All das kannst du in § 622 BGB nachlesen. 
 
Umgekehrt gelten für den Arbeitgeber gestaffelte Kündigungsfristen, die sich erhöhen, je länger du beschäftigt bist. Dein Arbeitgeber kann auch längere Kündigungsfristen mit dir vereinbaren. Wenn diese aber eines Tages mal nachgewiesen werden sollen, wird es ohne schriftlichen Vertrag schwierig. Solange der Vertrag nur mündlich abgeschlossen ist und individuelle Vereinbarungen nicht nachzuweisen sind, gilt im Zweifelsfall ausschließlich der § 622 BGB.
 
Wichtig: Die Kündigung muss auch bei einem Arbeitsverhältnis ohne Vertrag immer in Schriftform verfasst werden. 

Außerordentliche Kündigung bei einem mündlich abgeschlossenen Arbeitsvertrag

Außerordentlich kündigen? Nur mit wichtigem Grund! Wenn ein mündlich abgeschlossener Arbeitsvertrag außerordentlich gekündigt werden soll, muss es dafür einen wichtigen Grund geben. Das kannst und solltest du in § 626 I BGB nachlesen. 
 
Was ist denn nun ein wichtiger Grund? Grundsätzlich muss es sich um einen besonders schwerwiegenden Anlass für die Kündigung handeln, nämlich so schwerwiegend, dass für beide Vertragsparteien die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist unzumutbar wäre. Aber auch hier gibt es eine Frist von 14 Tagen: Sie gilt ab dem Zeitpunkt, an dem dein Chef von den Gründen erfahren hat, wegen derer dir fristlos gekündigt werden soll.  
 
In den meisten Fällen kommt die fristlose Kündigung aber auch nicht völlig überraschend: Zunächst wird dir der Arbeitgeber eine Abmahnung überreichen. Zum Beispiel, wenn du dauernd zu spät kommst. In diesem Fall gibt es ja vielleicht Aussicht auf Besserung. 
 
Wenn du allerdings einen Computer aus dem Fenster wirfst, kann man davon ausgehen, dass du anschließend nicht abgemahnt wirst – sondern dir sofort gekündigt wird. 
 
Du wiederum kannst fristlos kündigen, wenn du dein Geld nicht pünktlich bekommst oder sexuell belästigt oder beleidigt wirst. Es hängt also – grob gesagt – immer davon ab, wie hoffnungslos der Fall jeweils ist. 

Alternative zur Kündigung: der Aufhebungsvertrag

Ein Arbeitsverhältnis mit mündlich abgeschlossenem Vertrag kann nicht nur gekündigt, sondern auch aufgehoben werden: mit einem Aufhebungsvertrag – der dann jedoch zwingend schriftlich abgeschlossen werden muss!
 
In diesem Aufhebungsvertrag vereinbart ihr, dass das Beschäftigungsverhältnis einvernehmlich aufgelöst wird. Es gibt dabei also niemanden, der „Schuld“ daran wäre, was ja durchaus vorteilhaft für dich sein kann. Das Enddatum könnt ihr dabei völlig frei festlegen.  
 
Achtung: Wenn du einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet hast, bekommst du erst nach einer Sperrfrist Arbeitslosengeld. Das sollte dir klar sein. Und zwar vorher. 

Jonas Franke
Heike Jestram
Heike Jestram arbeitet als Autorin in Berlin. Seit 2016 unterstützt sie volders und schreibt Ratgeber zu Verträgen und Kündigungen. Durch den digitalen Vertragsassistenten können viele Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewinnen.