Urlaubsanspruch bei Kündigung

Das müssen Arbeitnehmer & Arbeitgeber wissen

  1. Welche Regelungen gibt es grundsätzlich zum Urlaubsanspruch?
  2. Muss der Resturlaub bei einer ordentlichen Kündigung gewährt werden?
  3. Wie erfolgt die Urlaubsabgeltung nach einer fristlosen Kündigung?
  4. Besteht trotz Krankheit nach der Kündigung Anspruch auf Urlaub?

Das Arbeitsrecht bestimmt den gesetzlichen Urlaubsanspruch

Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf Urlaub, welcher vorrangig der Erholung dienen soll. Dieser Urlaubsanspruch muss ihm jährlich gewährt werden. Im Falle einer Kündigung besteht dieser Anspruch gemäß Arbeitsrecht weiterhin fort. Dies kann auch nicht durch Regelungen im Arbeitsvertrag außer Kraft gesetzt werden. Jeder Arbeitnehmer hat folglich das Recht, dem Arbeitgeber gegenüber seine Urlaubsansprüche geltend zu machen – auch nach einer erfolgten Kündigung.

Allgemeine Regelungen zum Urlaubsanspruch

Voller Anspruch auf Urlaub trotz Kündigung

Im Bundesurlaubsgesetz (BurlG) sind sämtliche Regelungen aufgestellt, die den Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern festlegen. Im Falle einer Kündigung besteht demnach der volle Anspruch auf Urlaub. Ob die Kündigung von Seiten des Arbeitnehmers oder Arbeitgebers erfolgt ist, spielt keine Rolle. Jedoch gibt es meist eine Zeitspanne zwischen der Arbeitsaufnahme und der Kündigung, weswegen im Allgemeinen einige Regelungen zu beachten sind.

BurlG regelt die Länge des Urlaubs

Zum einen wird durch das BUrlG die Länge des Urlaubs festgelegt. Wer beispielsweise eine Sechstagewoche hat – also von Montag bis Samstag arbeitet – dem steht ein Erholungsurlaub von 24 Werktagen im Jahr zu. Wer nur fünf Tage in der Woche arbeitet, der hat ein Recht auf 20 Tage Urlaub. Bei weniger Arbeitstagen in der Woche verringert sich dementsprechend auch der Urlaubsanspruch.

Das Recht auf den kompletten Jahresurlaub hat ein Arbeitnehmer jedoch erst, wenn das Arbeitsverhältnis bereits seit mindestens sechs Monaten besteht. Wer also noch vor diesen sechs Monaten kündigt, hat auch nicht den vollen Anspruch auf alle Urlaubstage des Jahres. Gemäß § 1 Absatz 1 BurlG kann ein Arbeitnehmer dann nur einen Teil seines Jahresurlaubs nehmen.

Bei einer ordentlichen Kündigung muss Resturlaub gewährt werden

Wenn eine  ordentliche (fristgerechte) Kündigung des Arbeitsvertrages vorliegt, musst du als Arbeitnehmer den dir zustehenden Urlaub innerhalb der Kündigungsfrist nehmen . In den meisten Fällen erfolgt daher keine Abgeltung.

Da der Erhalt der Gesundheit ein hohes Gut darstellt, unterstützt der Gesetzgeber durch das Arbeitsrecht den Anspruch auf Urlaub mit allen Mitteln. Daher bleibt der Urlaubsanspruch auch vollständig erhalten, wenn du als Arbeitnehmer kündigst. Dem Arbeitgeber wird keine gesetzliche Möglichkeit eingeräumt, dass er einen bereits vor der Kündigung genehmigten Urlaub widerrufen kann.

Abgeltung des Urlaubs bei einer außerordentlichen Kündigung

Wenn die Kündigung auf  außerordentlichem Weg erfolgt und damit fristlos ist, hat der Arbeitnehmer wie auch bei einer ordentlichen Kündigung Anspruch auf seinen Urlaub. In der Regel hat der Arbeitnehmer noch Urlaubstage offen. Da bei einer fristlosen Kündigung das Arbeitsverhältnis aber nicht mehr besteht oder die Arbeitstage für die Restdauer des Urlaubs nicht mehr ausreichen, erfolgt der Urlaubsanspruch meist in Form einer Abgeltung. Dann bekommst du als Arbeitnehmer deine noch offenen Urlaubstage ausbezahlt.

Nach dem Willen des Gesetzgebers ist dies zwar verboten, weil der Urlaub in natura erfolgen soll. Jedoch wird bei Zustimmung des Arbeitnehmers die Abgeltung geduldet. Da durch eine Urlaubsabgeltung keine Verlängerung des Arbeitsverhältnisses stattfindet, kann der Arbeitnehmer direkt nach einer fristlosen Kündigung ein neues Arbeitsverhältnis beginnen. In einem solchen Fall ist diese Form der Urlaubsgewährung durchaus sinnvoll.

Urlaubsanspruch besteht auch trotz Krankheit nach Kündigung

Wenn die Kündigung erfolgt ist, der Arbeitnehmer jedoch krank wird und daher die restlichen Urlaubstage nicht nehmen kann, besteht dennoch ein Anspruch auf den Resturlaub. Gleiches gilt, wenn der Arbeitnehmer lange Zeit arbeitsunfähig war und aufgrund seiner langen Krankheit gekündigt wird. Denn bei einer Erkrankung gilt die Regelung, dass der Urlaub für die gesamte Dauer des Arbeitsvertrages berechnet werden muss. Folglich hätte auch ein Arbeitnehmer, welcher das komplette Jahr krankgeschrieben ist, einen vollen Anspruch auf die vertraglich vereinbarten Urlaubstage. Wenn das Arbeitsverhältnis jedoch beendet wird, bevor der Arbeitnehmer seinen Urlaub nehmen kann, ist im Allgemeinen eine Auszahlung des Urlaubs üblich.

Was passiert nun aber, wenn ein Arbeitnehmer lange Zeit krankgeschrieben ist, deshalb gekündigt wird und er seine Urlaubstage vor Ablauf der Übertragungsfrist (in der Regel 31. März des Folgejahres) krankheitsbedingt nicht nehmen kann? Dann würde sein Anspruch auf Urlaub gemäß § 7 Absatz 3 BurlG eigentlich verfallen. Jedoch gilt hier die Regelung, dass der Urlaubsanspruch trotzdem fortbesteht und dieser nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses abzugelten ist.

Bild von Jonas Franke

Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
über 250.000 Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewonnen.
Kündige oder wechsle deine Verträge kostenlos mit nur einem Klick.

Urlaubsanspruch bei Kündigung
5
1 Bewertungen (5.0 Durchschnitt)