Private Krankenversicherung Vergleich

Auswahltipps vom Experten

  1. Welche Leistungen übernimmt die PKV?
  2. Welche Faktoren sind für die Aufnahme in die PKV wesentlich?
  3. Gibt es Ausschlussgründe?
  4. Wie sind die Tarife der PKV?
  5. Was sollte bei einem Vergleich beachtet werden?

Vergleich privater Krankenversicherungen

Die Krankenversicherung gehört in Deutschland zu den Pflichtversicherungen. Während die meisten deutschen Bürger Mitglieder einer der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sind, ist es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, eine private Krankenversicherung (PKV) abzuschließen. Insbesondere betrifft dies Personen, die nach § 5 Sozialgesetzbuch (SGB) V nicht in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert sind. Ein Vergleich der privaten Krankenkassen lohnt sich daher nur, wenn die entsprechenden Annahmevoraussetzungen vorliegen oder der Wechsel in eine andere PKV geplant ist.

Das solltest du vor dem Versicherungsvergleich wissen

Während die gesetzlichen Krankenkassen den Beitrag nach Höhe des Einkommens berechnen, richtet sich die Beitragshöhe bei privaten Krankenversicherern (PKV) nach dem Leistungsumfang, der Berufsgruppe, dem Lebensalter und dem gesundheitlichen Zustand. Das bedeutet auch, dass die Versicherungsprämie jährlich steigt und im Rentenalter daher recht hoch ausfallen kann. Folgende Aspekte sollten besonders beachtet werden:

Kostenfreie Mitversicherung von Familienmitgliedern
Diese ist in der privaten Krankenkassenversicherung nicht vorgesehen. Jedes Familienmitglied muss im Unterschied zur GKV hier einen eigenen Beitrag zahlen.

Übernahme von Behandlungskosten sowie Heil- und Hilfsmittel
Bei der PKV sind Arztrechnungen zunächst selbst zu zahlen und werden erst nachträglich durch den Versicherer erstattet. Daher ist die PKV nur für Personen mit ausreichend Einkommen empfehlenswert. Die PKV zahlt dafür aber beispielsweise für die Behandlung durch den Chefarzt im Krankenhaus oder für hochwertigen Zahnersatz, sofern diese Leistungen in der Versicherung vereinbart wurden. In einigen Bereichen, wie der häuslichen Krankenpflege oder der Physiotherapie, sind die Tarife der gesetzlichen Kassen jedoch häufig besser.

Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nicht immer möglich
Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist in der Regel nur dann möglich, wenn der Versicherungsnehmer das 55. Lebensjahr noch nicht vollendet hat und das monatliche Gehalt über der Geringfügigkeitsgrenze und unter der Versicherungspflichtgrenze liegt. Bis zur Geringfügigkeitsgrenze dürfen seit dem Jahr 2012 450 Euro verdient werden. Die Versicherungspflichtgrenze wird jährlich festgesetzt und liegt im Jahr 2016 bei 56.250 Euro jährlich.

Faktoren für die Aufnahme in die private Krankenversicherung

Vor dem Abschluss eines Vertrags überprüfen die privaten Krankenkassen meist genau, welches individuelle Risiko besteht. Auch aufgrund eines negativen Eintrags bei der Schufa kann der Versicherer den Antrag ablehnen. Die Versicherungsunternehmen dürfen einen bestehenden Vertrag aufgrund der Versicherungspflicht nämlich selbst dann nicht kündigen, wenn der Versicherte die Beiträge nicht zahlen kann. Daher führen sie häufig eine Bonitätsprüfung bei Antragstellung durch.

Eintrittsalter

Da sich die privaten Krankenkassen an wirtschaftlichen Faktoren orientieren, spielt das Eintrittsalter des Antragstellers eine entscheidende Rolle. Auch wenn der Antrag nicht abgelehnt wird, werden in bestimmten Situationen die Beiträge höher ausfallen. Beispielsweise ist das häufig bei älteren Versicherungsnehmern ab 50 Jahren der Fall, bei denen statistisch gesehen ein erhöhtes Krankheitsrisiko besteht. Auch Frauen im gebärfähigen Alter werden als Risikogruppe eingestuft. Als Eintrittsalter wird das Alter bei Beginn des Versicherungsvertrags zugrunde gelegt. Dieses wird tagesgenau berechnet. Liegt der Versicherungsbeginn nur einen Tag nach dem Geburtstag des Antragstellers, gilt dieser als ein komplettes Jahr älter. Dies hat Auswirkungen auf die Versicherungsprämie.

Berufsgruppen

Angestellte und Arbeiter sind meistens gesetzlich pflichtversichert. Nur wenn ihr Jahreseinkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt, können sie freiwillige Mitglieder der privaten Krankenkassen werden. Das Gleiche gilt für Journalisten und Künstler, die in der Künstlersozialkasse (KSK) pflichtversichert sind. Nicht an gesetzliche Krankenkassen gebunden und damit frei für die Aufnahme in eine PKV sind:
  • Selbständige
  • Freiberufler
  • Beamte und Beihilfeberechtigte, wie Beamte auf Probe
  • Richter
  • Antragsteller ohne ein eigenes Einkommen
  • Antragsteller mit einem Einkommen unter der Geringfügigkeitsgrenze
  • Studenten, die nach § 8 Abs. 1 Nr. 5 und Abs. 2 SGB V von der Versicherungspflicht befreit sind

Gesundheitszustand

Gibt es offensichtliche Krankheitsrisiken oder liegen bereits schwerwiegende Erkrankungen vor, vereinbaren viele Versicherungsunternehmen den Ausschluss von bestimmten Leistungen oder einen Risikozuschlag. Dieses Vorgehen beruht auf gesetzlichen Vorgaben, denn § 146 Abs. 1 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) sieht vor, dass die Tarife mit Zuhilfenahme statistischer Daten berechnet werden müssen. Hierbei werden unter anderem die Krankheitsgefahr und die Sterblichkeit in Abhängigkeit zum Alter und dem Geschlecht berücksichtigt. Auch wirtschaftliche Erwägungen spielen eine Rolle, da andernfalls die Beiträge für alle Versicherten höher berechnet werden müssten.

Gründe für oder gegen eine Aufnahme

Bis auf eine Ausnahme sind die Versicherungsgesellschaften nicht verpflichtet, Personen in die private Krankenversicherung aufzunehmen. Bei dieser handelt es sich um den Basistarif, in den du als Antragsteller unter folgenden Voraussetzungen aufgenommen werden musst:

  • Du verfügst über keine Krankenversicherung und darfst dich nicht gesetzlich versichern.
  • Du bist bereits privat versichert und hast die derzeitige Versicherung nach dem 31. Dezember 2008 abgeschlossen.

Ein Versicherungsunternehmen darf jedoch aus folgenden Gründen auch die Aufnahme in den Basistarif ablehnen:

  • Du weigerst dich, eine Gesundheitsprüfung abzulegen.
  • Du warst bereits bei diesem Unternehmen versichert und dieses hat den Vertrag wegen arglistiger Täuschung oder Drohung angefochten.

Ausnahmen bestehen außerdem für kleine private Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG), bei denen die Versicherungsnehmer gleichzeitig Träger und Mitglieder eines Vereins sind. Das bedeutet, dass der Geschäftszweck in der Versicherung der Vereinsmitglieder besteht. Hierbei kommt der Grundsatz der Gegenseitigkeit zum Tragen. Die VVaG sind nicht gezwungen, Nichtmitglieder aufzunehmen oder zu versichern. Zu den VvaG gehört beispielsweise die ALTE OLDENBURGER Krankenversicherung AG.

Die Tarife der privaten Krankenversicherungen

Die Versicherungsunternehmen bieten verschiedene Tarifvarianten an. So gibt es beispielsweise eine Reihe von Spezialtarifen, die sich insbesondere an Angestellte, Akademiker, Beamte, Selbständige, Rentner, Studenten oder Hausfrauen richten. Viele Anbieter werben zudem mit spezifischen Kindertarifen, Unisex-Tarifen, Einsteigertarifen und Modultarifen. Lediglich den Basis- und Notlagentarif bieten die deutschen Versicherungsunternehmen einheitlich an.

Der Basistarif

In diesem Tarif orientieren sich der Höchstbeitrag und die Leistungen an denen der gesetzlichen Krankenversicherungen. Je nach Versicherer kann der individuelle Beitrag jedoch auch niedriger liegen. Bei Hilfsbedürftigkeit oder bei Empfängern von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Sozialgeld wird der Versicherungsbeitrag auf die Hälfte reduziert und durch den sozialen Träger übernommen. Bis zum Jahr 2009 war der Basistarif als Standardtarif bekannt.

Der Notlagentarif

Der Notlagentarif wurde erst im August 2013 im Zuge des Inkrafttretens des "Gesetzes zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung" eingeführt. In diesen werden Versicherte eingestuft, die ihre Beitragszahlungen momentan nicht leisten können oder ein gesetzlich festgelegtes Mahnverfahren durchlaufen. Die Behandlungen beschränken sich in diesem Fall auf Krankheiten und akute Schmerzen, sofern keine Schwangerschaft vorliegt.

Das sollte beim Vergleich der privaten Krankenversicherungen beachtet werden

Während die Beiträge in jungen Jahren oftmals sehr günstig sind, können sie im Alter stark steigen. Zwar beinhaltet jeder Versicherungsbeitrag auch eine Altersrückstellung, aber wie die Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten sein wird, kann kaum jemand voraussagen. Aus diesem Grund geben leider auch Vergleichsrechner keine Auskunft darüber, mit welchem Beitrag du in einigen Jahren rechnen musst. Dafür kannst du dir aber deine Wunschversicherung aus verschiedenen Leistungsbausteinen zusammenstellen. Üblicherweise sind verschiedene Tarifoptionen und Zusatzleistungen auswählbar, wie beispielsweise:

  • Selbstbeteiligung (zwischen 150 bis 5.000 Euro)
  • Chefarztbehandlung und Zimmerbelegung im Krankenhaus
  • Krankenhaustagegeld
  • prozentuale Erstattung von Zahnersatz und Zahnbehandlung
  • Direktkonsultation von Fachärzten
  • Behandlung durch Heilpraktiker

Da die Wahl einer privaten Krankenversicherung von verschiedenen Faktoren abhängig ist, solltest du dir den Eintritt gut überlegen. Auch der Wechsel von einer privaten Krankenversicherung in eine andere ist eventuell problematisch, weil dabei die Altersrückstellung nicht übernommen wird. Der Vergleich der Versicherer über ein Vergleichsportal kann einen ersten Überblick verschaffen, sollte aber nicht die einzige Informationsquelle sein. Besser ist es, sich zusätzlich durch einen unabhängigen Versicherungsberater, die Verbraucherzentralen der Bundesländer oder spezialisierte Anwälte beraten zu lassen. Mit der Hilfe von Spezialisten und dem Verzicht auf einige Leistungsbausteine kannst du bestenfalls mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.


Bild von Jonas Franke

Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
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