Was muss ich bei einem Widerruf beachten?

Alle wichtigen Hinweise und Tipps zum Thema Widerruf

Wer darf widerrufen und welche Form ist einzuhalten?

Das Widerrufsrecht räumt der Gesetzgeber nur natürlichen Personen, nicht aber Personenvereinigungen oder Unternehmern ein. Die wichtigste Voraussetzung, um einen Widerruf geltend zu machen, ist ein abgeschlossener Vertrag. Die Widerrufserklärung sollte nach Möglichkeit schriftlich, also per Fax oder Brief erfolgen. Nur die Rücksendung einer bereits empfangenen Ware reicht für einen rechtskräftigen Widerruf nicht aus.

Was ist im deutschen Recht unter einem Widerruf zu verstehen?

Der Gesetzgeber in Deutschland räumt Verbrauchern ein Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen ein, das explizit in den §§ 355 - 361 des BGB geregelt wird. Dieses Gesetz ermöglicht es dir, geschlossene Verträge innerhalb einer festgesetzten Frist ohne die Angabe von Gründen wieder aufzuheben. Hierbei beschränkt sich das Widerrufsrecht nicht nur auf den Warenkauf, sondern gilt unter anderem auch für:

  • Dienstleistungsverträge
  • Verbraucherdarlehensverträge
  • Ratenlieferungsverträge
  • Versicherungsverträge
Das Widerrufsrecht kannst du aber auch bei Haustürgeschäften, bei denen nur ein mündlicher Vertrag abgeschlossen wurde, geltend machen. Haustürgeschäfte im Sinne des Gesetzes beschränken sich dabei nicht nur auf den Bereich der privaten Wohnung, sondern können auch am Arbeitsplatz oder im Rahmen eines Events abgewickelt worden sein. Widerrufen kannst du zudem Fernabsatzverträge, das heißt Verträge, die ausschließlich mit Mitteln der Fernkommunikation abgeschlossen worden sind. Insbesondere betrifft das die Abwicklung über Briefe und Katalogbestellungen sowie über das Telefon und über das Internet. Das Widerrufs- und das Rückgaberecht bei Fernabsatzverträgen wird speziell im § 312d des BGB behandelt und verpflichtet den Händler oder Dienstleister zu einer rechtssicheren Widerrufsbelehrung.

Tipp: Du möchtest mehr über das Thema Widerrufsrecht erfahren? Dann informiere dich auch in unserem Ratgeber "Widerrufsrecht kurz erklärt - Ein wichtiges Recht im Verbraucherschutz", welchen du weiter unten im Text findest.

Voraussetzungen für die Wahrnehmung des Widerrufsrechts

Wer darf widerrufen und welche Form ist einzuhalten?

Das Widerrufsrecht räumt der Gesetzgeber nur natürlichen Personen, nicht aber Personenvereinigungen oder Unternehmern ein. Die wichtigste Voraussetzung, um einen Widerruf geltend zu machen, ist ein abgeschlossener Vertrag. Die Widerrufserklärung sollte nach Möglichkeit schriftlich, also per Fax oder Brief erfolgen. Nur die Rücksendung einer bereits empfangenen Ware reicht für einen rechtskräftigen Widerruf nicht aus.


Welche Fristen müssen eingehalten werden?

Das BGB bestimmt, dass der Widerruf innerhalb einer gesetzten Frist zu erklären ist. Die Widerrufsfrist beträgt in der Regel 14 Tage und beginnt dann, wenn der Verbraucher die Ware gänzlich erhalten hat. Das bedeutet, dass bei Teillieferungen der Folgetag nach Erhalt der letzten Lieferung zählt. Handelt es sich hierbei um einen Sonn- oder Feiertag, beginnt die Frist erst am nächstfolgenden Werktag. Voraussetzung für den Beginn der Widerrufsfrist ist zudem die Aushändigung einer wirksamen Widerrufsbelehrung. Diese muss dem Verbraucher in Textform zugestellt werden, beispielsweise postalisch, per Fax oder E-Mail. Aus dem Inhalt des Schreibens muss eindeutig hervorgehen, dass ein Widerrufsrecht ohne Angabe von Gründen besteht. Außerdem müssen der Beginn und die Dauer der Widerrufsfrist sowie eine ladungsfähige Anschrift und der korrekte Firmenname des Unternehmers enthalten sein. Liegt keine Widerrufsbelehrung vor oder ist diese fehlerhaft, ist ein unbefristeter Widerruf möglich. Die Frist verlängert sich auf einen Monat, wenn die Widerrufsbelehrung dem Kunden erst nach Vertragsabschluss zugeht.

Ausnahmen vom Widerrufsrecht

Das Gesetz sieht in bestimmten Fällen Ausnahmen vom Widerrufsrecht vor. So sind vom Widerruf in der Regel Bilddateien, Audio- und Videoaufzeichnungen sowie Software ausgeschlossen, sofern diese per Download geliefert wurden. Befinden sich die Dateien auf einem Datenträger, hat das Entsiegeln das Erlöschen des Widerrufsrechts zur Folge. In der Regel werden Datenträger durch das Auspacken aus der umhüllenden Folie entsiegelt, sofern nicht explizit ein Aufkleber als Siegel angebracht ist. Nicht widerrufen kannst du auch die Lieferung von Waren, die nach deinen spezifischen Wünschen gefertigt worden sind, sowie verderbliches oder nicht zur Rücksendung geeignetes Handelsgut, wie Lebensmittel oder Heizöl. Bei bestimmten Vertragstypen bestimmt der § 312 Abs. 3 BGB, dass das Widerrufsrecht nicht zwangsläufig eingeräumt werden muss. Betroffen hiervon sind zum Beispiel:

  • Teilzeitnutzung von Wohngebäuden
  • Fernunterricht
  • Lieferung von Haushaltsgegenständen des täglichen Bedarfs, von Getränken oder Lebensmitteln
  • Dienstleistungen in den Bereichen Beförderung oder Unterbringung
  • Dienstleistungen zur Freizeitgestaltung
Einige Dienstleister räumen ihren Kunden dennoch ein Widerrufsrecht ein. Du solltest dir daher das Kleingedruckte des entsprechenden Vertrags sorgfältig durchlesen.

Die Folgen eines Widerrufs

Verbrauchern werden durch den Gesetzgeber beim Widerruf nicht nur Rechte eingeräumt, sondern auch Pflichten auferlegt. Diese werden in § 357 BGB geregelt. Übst du dein Widerrufsrecht aus, bist du verpflichtet, erhaltene Waren umgehend zurückzusenden. Falls sich der Unternehmer nicht freiwillig bereiterklärt hat, die Kosten für die Rücksendung zu tragen, sieht das Gesetz vor, dass der Verbraucher diese übernehmen muss. Unter gewissen Umständen kann es notwendig sein, dass du einen Wertersatz für die Verschlechterung einer Ware leistest. Das wird zum Beispiel dann der Fall sein, wenn die Ware beschädigt oder teilweise verbraucht wurde. Ausgenommen von dieser Regelung ist bei Fernabsatzgeschäften der Umgang mit der Ware, der zum Prüfen der Beschaffenheit, der Funktionen und der Eigenschaften einer Ware notwendig ist. Dieser Regelung liegt § 357 Abs. 7 BGB zu Grunde. Im Anschluss wird der Vertrag aufgehoben und geleistete Zahlungen werden rückabgewickelt.

Wichtige Themen rund um den Widerruf – Diese Dinge solltest du wissen

Der Widerruf ist ein sehr komplexes Thema. Damit du nicht den Überblick verlierst und über alles im Bilde bist, gehen wir auf die wichtigsten Themen ausführlich in diesen Ratgebern ein:


Die Widerrufsbelehrung - Eine wichtige Information für Verbraucher

Bei deinen Online-Bestellungen wirst du bestimmt schon einmal eine Widerrufsbelehrung von einem Verkäufer bekommen haben. Warum diese Belehrung wichtig ist, welche Angaben darin stehen müssen und welche Folgen es gibt, wenn du sie nicht oder nur fehlerhaft bekommen solltest, erklären wir dir in unserem Ratgeber „Die Widerrufsbelehrung - Eine wichtige Information für Verbraucher“.


Widerrufsrecht kurz erklärt - Ein wichtiges Recht im Verbraucherschutz

Welche Bedeutung das Widerrufsrecht für Verbraucher, Händler und Dienstleister hat, wann es Anwendung findet und welche Aspekte beachtet werden müssen, erklären wir dir in unserem Ratgeber „Widerrufsrecht kurz erklärt - Ein wichtiges Recht im Verbraucherschutz“.


Alles rund um den Widerrufsjoker für Darlehen

Wie du bestimmt schon weißt, sind Verträge nach der Widerrufsfrist von zwei Wochen verbindlich. Bei Darlehensverträgen gibt es hier aber eine Ausnahme: den Widerrufsjoker. In welchen Fällen der Joker Anwendung findet und wie du mit ihm sogar schon länger laufende Verträge rückabwickeln kannst, erfährst du in unserem Ratgeber „Alles rund um den Widerrufsjoker für Darlehen“.


Widerrufsformular - Formen und Muster für den Widerruf

Bei deinen Online-Einkäufen sind dir bestimmt schon mal die Widerrufsbelehrung und das Widerrufsformular aufgefallen. Aus welchem Grund es das Widerrufsformular gibt und warum es wichtig ist, dass du es bei deinem Online-Shopping dazu bekommst, erklären wir dir in unserem Ratgeber „Widerrufsformular - Formen und Muster für den Widerruf“.

Widerruf einlegen – Aber wie?

Du möchtest einen Vertrag widerrufen, weißt aber nicht, ob du dazu berechtigt bist oder wie du dein Recht geltend machen kannst? In den folgenden Ratgebern gehen wir näher darauf ein:


Vertrag widerrufen

Wie man einen Vertrag widerrufen kann und welche Fristen und Formen dabei eingehalten werden müssen, erklären wir in unserem Ratgeber „Vertrag widerrufen“.


Widerruf eines Handyvertrags - Wann er möglich ist und wie man dabei vorgeht

Wenn du nach dem Abschluss eines Mobilfunkvertrags ein Angebot findest, dass viel besser zu dir passt, dann kannst du unter Umständen deinen Vertrag widerrufen. Ob und wie du deinen Mobilfunkvertrag widerrufen kannst, erklären wir dir in unserem Ratgeber „Widerruf eines Handyvertrags - Wann er möglich ist und wie man dabei vorgeht“.


Der Widerruf einer Versicherung

Versicherungen sind heutzutage absolut notwendig. Sie sichern uns rechtlich ab, wenn uns z. B. ein Unfall passiert. Daher kommt es eher selten vor, dass man eine Versicherung widerruft. Wenn du trotzdem den Widerruf deiner Versicherung geltend zu machen willst, musst du bestimmte Fristen und Bedingungen einhalten, die wir dir in unserem Ratgeber „Der Widerruf einer Versicherung“ näher erläutern.


Widerruf einer Lebensversicherung

Die Lebensversicherung ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Versicherungen, die man haben sollte. Sie sichert dich oder deine Verwandten für den Ernstfall ab oder sorgt für deinen Ruhestand vor. Der Abschluss einer Lebensversicherung sollte daher gut durchdacht sein. Nicht selten kommen einem schon mal Zweifel, ob man sich für die richtige Lebensversicherung entschieden hat. Wie du deine neue oder sogar deine ältere Lebensversicherung widerrufen kannst, erfährst du in unserem Ratgeber„Widerruf einer Lebensversicherung“.


Lastschrift widerrufen

Das Lastschriftverfahren ist eine sehr einfache Lösung, um deine Rechnungen bargeldlos zu bezahlen. Vielen Verbraucher gefällt es aber nicht, dass sie damit einem Dritten Zugriff auf ihr Konto gewähren. Wenn du auch dazu gehörst, dann solltest du vielleicht darüber nachdenken, deine Lastschriften zu widerrufen. Wie die Rechtslage dazu aussieht, erklären wir dir in unserem Ratgeber„Lastschrift widerrufen“.


Widerruf eines Darlehen - Was du wie & wann machen musst!

Sehr große Anschaffungen, wie z. B. der Kauf eines Hauses, wirst du wahrscheinlich nicht ohne ein Darlehen bewerkstelligen können. Wenn es sich dann herausstellen sollte, dass du das Darlehen doch nicht benötigst, ist ein Widerruf nicht in jedem Fall machbar. Auf welche Aspekte es hierbei ankommt, erläutern wir in unserem Ratgeber „Widerruf eines Darlehen - Was du wie & wann machen musst!“.


Kündigung widerrufen

Eine Kündigung sollte eine wohlüberlegte Entscheidung sein. Nur unter bestimmten Bedingungen kannst du diese widerrufen. Welche das sind und was du dabei beachten musst, erklären wir dir in unserem Ratgeber „Kündigung widerrufen“.


Widerruf Einzugsermächtigung

Mit der Einzugsermächtigung ermöglichst du einem Zahlungsempfänger, den fälligen Kaufbetrag einfach von deinem Bankkonto abbuchen zu können. Welche Vor- und Nachteile das hat und wie du die Einzugsermächtigung aufheben kannst, erfährst du in unserem Ratgeber „Widerruf Einzugsermächtigung“.



Wir haben auch Ratgeber zu folgenden Themen:

Fehlt noch was?

Hast du nicht das Richtige gefunden? Möchtest du noch mehr Informationen zu einem bestimmten Thema? Wir erweitern ständig unsere Ratgeber, damit du über alle wichtigen Themen bestens informiert bist. Gib uns hier einen Tipp, wozu wir unbedingt noch einen Ratgeber schreiben sollten!

Jonas Franke
Heike Jestram
Heike Jestram arbeitet als Autorin in Berlin. Seit 2016 unterstützt sie volders und schreibt Ratgeber zu Verträgen und Kündigungen. Durch den digitalen Vertragsassistenten können viele Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewinnen.