Kündigung widerrufen

So kannst du eine Kündigung zurückziehen

  1. Was ist überhaupt unter einer Kündigung zu verstehen?
  2. Wann kann eine Kündigung widerrufen werden?
  3. Die Alternative zum Widerruf: die Kündigung anfechten
  4. Die einvernehmliche Regelung als letzte Chance der Rücknahme

Die Kündigung eines Vertrages zurücknehmen

Unstimmigkeiten mit dem Arbeitgeber oder die Aussicht auf eine neue Wohnung können der Grund dafür sein, dass du deinen Arbeits- oder deinen Mietvertrag kündigst. Bevor du jedoch deine Kündigung abschickst, solltest du dir das gut überlegen, denn ein Widerruf dieser ist nicht ohne Weiteres möglich.

Der Begriff Kündigung im deutschen Recht

In der deutschen Rechtsordnung tritt der Begriff Kündigung insbesondere im Miet- und im Arbeitsrecht auf und steht für die Beendigung eines sogenannten Dauerschuldverhältnisses. Bei diesem handelt es sich um einen Vertrag, der sich auf einen bestimmten Zeitraum erstreckt und sich durch einen wiederkehrenden Austausch kennzeichnet. Dies können beispielsweise die Zahlung der Miete gegen das Recht auf Wohnraum oder die Erbringung von Leistungen gegen ein vereinbartes Entgelt sein. Verträge können neben dem Arbeits- und dem Mietverhältnis auch folgende Leistungsbereiche umfassen:

  • Pachtverträge,
  • Leihverträge,
  • Versicherungsverträge,
  • Darlehensverträge sowie
  • Lizenz- und Nutzungsverträge.

All diese Verträge können durch beide Vertragspartner gemäß den gesetzlichen Bestimmungen und innerhalb festgesetzter Fristen gekündigt werden. Eine Kündigung stellt eine einseitige Willenserklärung dar, mit dem Ziel den bestehenden Vertrag zu beenden. Diese wird in dem Moment rechtswirksam, wenn sie den Empfänger erreicht hat. Hierbei ist es nicht zwingend notwendig, dass der Empfänger die Kündigung auch tatsächlich liest.

Wann ist der Widerruf einer Kündigung möglich?

Jedoch kann eine Kündigung nicht so einfach zurückgenommen werden. Grundsätzlich gilt: Ist die Kündigung dem Vertragspartner zugegangen, kann sie nicht mehr einseitig widerrufen werden. Wenn der Vertragspartner die Kündigung nämlich akzeptiert hat, muss er seine Meinung anschließend nicht zwingend ändern. Dennoch kennt das Gesetz eine Ausnahme. Nach § 130, Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) wird eine Willenserklärung dann nicht wirksam, wenn der Widerruf dem Vertragspartner vor dem Erhalt des Kündigungsschreibens oder gleichzeitig zugeht. So kannst du die Kündigung noch widerrufen, wenn du sie beispielsweise als Brief verschickt hast und dieser den Empfänger noch nicht erreicht hat. 

Die Widerrufserklärung ist nicht an die Schriftform gebunden. Daher reicht hier eine schnellere Kontaktaufnahme via Telefon oder E-Mail bereits aus. Lass dir den Widerruf sowie den Zeitpunkt am besten schriftlich bestätigen, damit du ihn im Zweifelsfall beweisen kannst. Als nicht zugegangen gilt die Kündigung beim Vertragspartner auch, wenn sie durch einen Dritten entgegengenommen und noch nicht ausgehändigt wurde. Das können zum Beispiel in einem großen Unternehmen die Poststelle oder ein Pförtner sein. Hat der Empfänger das Kündigungsschreiben aber selbst entgegengenommen, ist es für den Widerruf bereits zu spät.

Statt Widerruf - eine Kündigung anfechten

Kündigungen als Willenserklärungen können angefochten werden, wenn dafür bestimmte Gründe vorliegen, die der Gesetzgeber in § 119 Absatz 1 BGB festlegt hat. Diese lauten wie folgt:

  • Der Kündigende war über den Inhalt der Willenserklärung bei der Abgabe im Irrtum.
  • Die Kündigung wurde voreilig und unter falscher Einschätzung einer bestimmten Sachlage abgegeben.
  • Sofern einer dieser beiden Gründe vorliegt, muss die Anfechtung sofort nach der Kenntnisnahme durch den Anfechtungsberechtigen erfolgen. In der Realität liegen diese Anfechtungsgründe jedoch selten vor bzw. können kaum ohne einen Rechtsbeistand geltend gemacht werden. Du besitzt beispielsweise keinen Anfechtungsgrund für eine Wohnungskündigung, weil der Mietvertrag für die neue Wohnung nicht zustande gekommen ist. Anders sieht es aus, wenn die Kündigung eines Vertrages aufgrund einer Täuschung oder Drohungen erklärt wurde. In diesem Fall ist die Willenserklärung nach § 123 BGB anfechtbar. Beruht die Anfechtung auf einer Täuschung oder einer Drohung sieht der Gesetzgeber laut § 124 BGB die Frist von einem Jahr vor.

    Die letzte Chance: Eine einvernehmliche Regelung mit dem Vertragspartner

    Ist der Widerruf der Kündigung nicht möglich und liegen auch keine der genannten Gründe für eine Anfechtung vor, kannst du dich nur noch mit dem Vertragspartner einigen. In einer von beiden Seiten unterschriebenen Vereinbarung kann die Kündigung letztendlich als gegenstandslos erklärt werden. Unter Umständen wird jedoch der Abschluss eines Fortsetzungsvertrages oder einer neuen Vereinbarung notwendig. Der Unterschied zwischen beiden Vertragsarten besteht darin, dass beim Fortsetzungsvertrag die Bedingungen des alten Vertrages übernommen werden und für den neuen Vertrag andere Konditionen ausgehandelt werden können. Theoretisch ist der Fortbestand eines Vertrages nach einer Kündigung auch in folgenden Fällen denkbar, die in der Realität jedoch eher selten vorkommen:

    § 625 BGB Stillschweigende Verlängerung

    Das ist dann der Fall, wenn ein Dienstverhältnis nach Ablauf der Dienstzeit fortgesetzt wird, ohne dass der Vertragspartner widerspricht. In der Folge wird das Dienstverhältnis unbegründet fortgesetzt.

    § 545 BGB Stillschweigende Verlängerung des Mietverhältnisses

    Diese tritt dann ein, wenn der Mieter nach dem Ablauf der Mietzeit in der Wohnung ohne den Widerspruch des Vermieters wohnen bleibt. Eine der beiden Vertragsparteien hat jedoch die Möglichkeit, das Mietverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen zu beenden. Für den Mieter beginnt diese Widerrufsfrist nach dem Verbleiben in der Wohnung; für den Vermieter dann, wenn er von der Fortsetzung Kenntnis erhält.
    Bild von Jonas Franke

    Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

    Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
    über 250.000 Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewonnen.
    Kündige oder wechsle deine Verträge kostenlos mit nur einem Klick.

    Kündigung widerrufen
    5
    4 Bewertungen (5.0 Durchschnitt)