Fristlose Kündigung im Fitnessstudio

Wann sie durch das Mitglied oder den Studiobetreiber möglich ist


Was ist unter einer fristlosen Kündigung zu verstehen?

Verbraucherverträge, zu denen auch die Verträge mit einem Fitnessstudio gehören, können nicht nur ordentlich, sondern nach § 314 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) auch außerordentlich gekündigt werden. Die Voraussetzung hierfür ist es, dass ein wichtiger Grund die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses für einen Vertragspartner undenkbar macht. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird die außerordentliche auch die fristlose Kündigung genannt, obwohl sie in den seltensten Fällen wirklich ohne eine Frist auskommt. Insbesondere die fristlose Kündigung eines Fitnessstudios erfordert in vielen Fällen eine Fristsetzung zur Abhilfe.

Welche Gründe rechtfertigen die fristlose Kündigung des Fitnessstudios durch das Mitglied?

Welche wichtigen Gründe für die fristlose Kündigung eines Fitnessstudios anerkannt werden, ist nicht generell gesetzlich geregelt. Im Zweifelsfall kann es zu einem Rechtsverfahren kommen, wenn der Betreiber des Fitnessstudios der außerordentlichen Kündigung des Mitglieds nicht zustimmt. Anhand vieler Gerichtsurteile kann allerdings davon ausgegangen werden, dass die folgenden Gründe zwar die fristlose Kündigung rechtfertigen, aber erst, wenn dem Betreiber Gelegenheit zur Abhilfe gegeben wurde:

  • ein bisheriges Frauenstudio wird in ein Studio für Männer und Frauen umgewandelt
  • es gibt Mängel an den Sportgeräten, weil diese schlecht oder gar nicht gewartet werden
  • die Angestellten des Fitnessstudios benehmen sich unangemessen oder kommen ihren Aufgaben nicht nach
  • es werden mehrmals falsche Beiträge vom Konto des Mitglieds abgebucht
  • der Betreiber des Studios erhöht die Beiträge oder bietet einen deutlich verschlechterten Leistungsumfang an
  • Baumaßnahmen oder Schäden verhindern die vertragsgemäße Nutzung des Studios, der Kurs- oder der Sanitärräume

Nur in einigen Fällen ist die fristlose Kündigung des Fitnessstudios wirklich komplett ohne Zeitverzug denkbar:

  • das Mitglied wird durch den Betreiber beziehungsweise Mitarbeiter des Studios oder durch andere Mitglieder sexuell belästigt oder bedroht
  • das Fitnessstudio schließt oder zieht um
  • das Mitglied ist chronisch oder schwer erkrankt und kann dafür ein Attest vorlegen
  • das Mitglied ist nachgewiesen schwanger
  • das Mitglied ist im Fitnessstudio bestohlen worden

Wegen einer vorübergehenden Krankheit oder wegen eines Umzugs ist die fristlose Kündigung des Fitnessstudios normalerweise nicht möglich. In vielen Fällen zeigen sich die Betreiber der Fitnessstudios hier aber verständnisvoll und stimmen der Aufhebung des Vertrags zu.

Welche Gründe sprechen für die fristlose Kündigung des Mitglieds durch den Betreiber des Fitnessstudios?

Auch der Betreiber eines Fitnessstudios ist dazu berechtigt, eine außerordentliche Kündigung auszusprechen, wenn es schwerwiegende Gründe dafür gibt. Häufig sind es die folgenden:

  • erhebliche Beitragsrückstände
  • Diebstahl von Eigentum des Fitnessstudios oder anderer Mitglieder
  • Bedrohung der Mitarbeiter des Fitnessstudios, des Eigentümers oder anderer Mitglieder
  • sexuelle Belästigung der Mitarbeiter des Fitnessstudios, des Eigentümers oder anderer Mitglieder

Im Falle der Beitragsschulden lässt sich die fristlose Kündigung meistens noch umgehen, wenn man diese umgehend begleicht. Fühlst du dich in anderen Fällen zu Unrecht beschuldigt, solltest du die fristlose Kündigung nicht wortlos hinnehmen, sondern dich mit dem Eigentümer des Studios besprechen.

Das muss bei der fristlosen Kündigung des Fitnessstudios beachtet werden

Der Gesetzgeber schreibt keine feste Form für die fristlose Kündigung eines Fitnessstudios vor. Falls du dir jedoch unsicher bist, wie du das Kündigungsschreiben formulieren sollst, melde dich einfach für unseren Kündigungsservice an, um unsere Muster nutzen zu können. Wichtig ist es aber, dass du das Kündigungsschreiben innerhalb einer angemessenen Frist nach Bekanntwerden des Grundes einreichst, der dich zur fristlosen Kündigung berechtigt. Zwar sieht der § 314 BGB keine starre Frist vor, aber in der Regel wird eine Frist von vierzehn Tagen als verhältnismäßig angesehen.

Fazit

Die fristlose Kündigung eines Fitnessstudios ist dann möglich, wenn wichtige Gründe für die Fortführung des Vertragsverhältnisses sprechen. Unter Umständen muss dem Betreiber allerdings eine Frist zur Abhilfe eingeräumt werden, wenn das Mitglied den Vertrag kündigen möchte. Die Kündigung sollte der besseren Beweisbarkeit halber schriftlich erfolgen und muss innerhalb einer angemessenen Frist nach Bekanntgabe des Grundes beim Vertragspartner eingegangen sein.



Wir haben auch Ratgeber zu folgenden Themen:

Jonas Franke
Heike Jestram
Heike Jestram arbeitet als Autorin in Berlin. Seit 2016 unterstützt sie volders und schreibt Ratgeber zu Verträgen und Kündigungen. Durch den digitalen Vertragsassistenten können viele Nutzer in Deutschland die Kontrolle über ihre Verträge gewinnen.