Private Rentenversicherung kündigen

Alles Wissenswerte und Tipps

  1. Was sind übliche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen?
  2. Was gibt es bei der fristgerechten und ordentlichen Kündigung zu berücksichtigen?
  3. Gibt es Alternativen zur Kündigung der privaten Rentenversicherung?
  4. Was ist nach der Kündigung zu beachten?

Die private Rentenversicherung als Form der Altersvorsorge

Bereits seit mehreren Jahren ist sicher, dass die staatlichen Rentengelder zukünftig nicht mehr ausreichen werden. Folglich fordert die Bundesregierung mehr Eigenverantwortung in Bezug auf die Altersvorsorge. Um den erreichten Lebensstandard auch im Rentenalter halten zu können, muss schon während der Berufstätigkeit vorgesorgt werden. Eine von vielen Möglichkeiten ist der Abschluss einer privaten Rentenversicherung. Bei dieser handelt es sich um eine langfristige, kapitalbildende Geldanlage.

Häufig stellt sich jedoch nach der  Vertragsunterzeichnung heraus, dass die ausgewählte Versicherung nicht zum eigenen Lebensplan passt oder scheinbar bessere Vorsorgeprodukte am Markt existieren - vielleicht sind die Beiträge zu hoch oder die angestrebte Rentensumme ist zu niedrig. Leider zeigt sich aber auch oft, dass die Versicherung für die versprochene Leistung schlicht zu viel Geld verlangt.

Viele Menschen kommen aus verschiedenen Gründen an den Punkt, ihre private Rentenversicherung kündigen zu wollen. Dies ist grundsätzlich möglich. Doch ob diese Option tatsächlich lohnenswert ist, sollte jeder Versicherungsnehmer vorher genauestens prüfen.

Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen bei der privaten Rentenversicherung

Bei der privaten Rentenversicherung handelt es sich um eine Anlage, die für einen sehr langen Zeitraum abgeschlossen wird. Dies liegt einerseits darin begründet, dass der Eintritt ins erwerbsunfähige Alter die Versicherungsleistung darstellt. Auf der anderen Seite wird ein solcher Vertrag üblicherweise in jungen Jahren eingegangen, um große Kapitalmengen ansparen und eine attraktive Rente erhalten zu können.

Die Kündigungsfrist für Versicherungen ist gesetzlich auf eine Dauer zwischen einem und drei Monaten festgelegt. Innerhalb dieser Spanne kann die Versicherung also eine Frist festgelegt haben. Die genaue, für dich geltende Kündigungsfrist entnimmst du deinen Vertragsunterlagen. Zudem gestatten viele Versicherungsunternehmen eine Kündigung nur zum Ende eines  Versicherungsjahres. Dies hat zur Folge, dass ausschließlich zu dem Datum gekündigt werden kann, an dem die Altersvorsorge abgeschlossen wurde.

Die private Rentenversicherung ordentlich und fristgerecht kündigen

Im Gegensatz zu einer gesetzlichen und betrieblichen Rentenversicherung kann eine private gekündigt werden. Allerdings erhält der Versicherungsnehmer bei der Kündigung nicht alle eingezahlten Beiträge zurück, sondern - wie bei einer Lebensversicherung - nur den sogenannten  Rückkaufswert. Hierdurch kann das Kündigen der privaten Rentenversicherung mit einem finanziellen Verlust einhergehen – insbesondere in den ersten Beitragsjahren. In diesen werden die Beiträge mit der Abschlussgebühr und ähnlichen Kosten verrechnet. Erst später gelangen alle getätigten Zahlungen auf das Rentenkonto. Die Höhe des Rückkaufswertes kann und sollte vor der Kündigung beim Versicherer erfragt werden. Häufig berechnen die Versicherungen bei einer vorzeitigen Kündigung eine Vorfälligkeitsentschädigung. Diese schmälert einmal mehr den Ertrag.

Handelt es sich um eine  Altersvorsorge mit Riester-Förderung, müssen außerdem alle, bis zum Zeitpunkt der Kündigung erhaltenen staatlichen Zuschüsse vollständig zurückgezahlt werden.

Wer sich trotz allem für die Kündigung seiner privaten Rentenversicherung entscheidet, muss dies schriftlich erledigen – eine E-Mail ist also in keinem Fall rechtskonform. Das Kündigungsschreiben muss zwingend folgende Informationen enthalten:

  • Deinen Namen
  • Deine Anschrift
  • Deine Versicherungsnummer
  • Den Termin, zu dem du kündigen möchtest bzw. die Formulierung „Ich kündige zum nächstmöglichen Zeitpunkt.“

Die Versicherungsnummer ist dabei besonders wichtig, da nur so das Schreiben eindeutig zugeordnet werden kann.

Wer Hilfe bei seiner Kündigung benötigt, kann unsere anwaltlich geprüften  Kündigungsvorlagen nutzen und diese auch direkt online per Mausklick verschicken.

Die Alternativen zur Kündigung

Wenn du feststellst, dass die Kündigung deiner privaten Rentenversicherung unwirtschaftlich ist, stehen dir verschiedene Alternativen zur Auswahl, um dennoch nicht länger Beiträge in die Versicherung einzahlen zu müssen.

Private Rentenversicherung beitragsfrei stellen

Die  Beitragsfreistellung der privaten Rentenversicherung birgt den Vorteil, dass du keine weiteren Beiträge einzahlen musst, aber weiterhin von einer privaten Rente im Alter profitierst – allerdings auf einem niedrigeren Niveau. Bei einer staatlich geförderten Altersvorsorge, wie der Riester Rente, bleiben dir im Rahmen einer Beitragsfreistellung auch die bis zu dem Zeitpunkt empfangenen Fördergelder erhalten. Außerdem kannst du zu einem späteren Zeitpunkt die Beitragszahlungen wieder aufnehmen, falls du nur für einen bestimmten Zeitraum deine Haushaltskasse schonen willst.
Frühestens nach einem Jahr kann eine Beitragsbefreiung beantragt werden. Je nach Versicherungsunternehmen variiert aber das frühestmögliche Datum. Du solltest daher entweder bei deinem Versicherer nachfragen oder in den Bedingungen deiner  Police nachlesen.

Verkauf der privaten Rentenversicherung

Ähnlich wie bei einer  Lebensversicherung ist der Verkauf der privaten Rentenversicherung eine Alternative zur Kündigung. Es existieren Versicherungsunternehmen, sogenannte Policen-Händler, die sich auf den Kauf von Rentenversicherungen spezialisiert haben. Diese bieten dem bisherigen Versicherungsnehmer in der Regel einen deutlich höheren Geldbetrag als den Rückkaufswert. Allerdings solltest du, bevor du dich für den Verkauf deiner Versicherung entscheidest, genauestens die Konditionen prüfen.

Die private Rentenversicherung wechseln

Als weitere Alternative hast du die Möglichkeit, den Anbieter oder den Tarif bei deinem bestehenden Versicherungsunternehmen zu wechseln. In diesem Fall musst du einen Antrag bei deinem bisherigen Anbieter stellen und ihm mitteilen, dass der Vertrag zum nächstmöglichen Termin übertragen werden soll.
Für einen Wechsel kann dir deine aktuelle Versicherung eine Gebühr in Rechnung stellen. Für deinen neuen Versicherungsvertrag wird dir wahrscheinlich erneut eine Abschlussgebühr berechnet. Je nach dem wie hoch diese beiden Gebühren ausfallen, kann der Wechsel zu einer nur wenig lohnenswerten Angelegenheit werden. Es ist daher empfehlenswert, sich im Vorfeld über alle anfallenden Kosten informieren zu lassen.

Worauf ist nach der Kündigung zu achten?

Sobald deine Kündigung bei deinem Versicherer eingegangen ist, wirst du dies in einem Antwortschreiben bestätigt bekommen. In diesem wird dir dein Anbieter auch den Rückkaufswert bekannt geben. Hattest du diesen bereits im Voraus unverbindlich in Erfahrung gebracht, solltest du die Angaben miteinander vergleichen. Falls du nun weniger Geld erhalten sollst, als ursprünglich angegeben, kannst du dich auf das erste Schreiben berufen. Ab dem Zeitpunkt deiner Kündigung darf deine Versicherung keine weiteren Beiträge von dir einziehen. Dies solltest du anhand deiner Kontoauszüge überprüfen.

veröffentlicht am 14.01.2016

Bild von Jonas Franke

Wirtschaftsjurist Jonas Franke (G+)

Jonas Franke schreibt seit 2 Jahren für volders. Mit dem digitalen Vertragsassistenten haben bereits
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