Die private Rechtsschutzversicherung

Absicherung im Fall von Rechtsstreitigkeiten

Eine private Rechtsschutzversicherung übernimmt Kosten, die im Verlauf von Rechtsstreitigkeiten im Privatbereich oder im Beruf entstehen können. Es handelt sich zwar nicht um eine Pflichtversicherung in Deutschland, aber dennoch ist ihr Abschluss durchaus sinnvoll. Erfahre hier, welche Leistungen die Rechtsschutzversicherung bietet und welche Aspekte bei der Auswahl der Versicherung entscheidend sind.

  1. Warum ist eine private Rechtsschutzversicherung empfehlenswert?
  2. Die private Rechtsschutzversicherung - Diese Leistungen kannst du erwarten
  3. Wichtige Aspekte bei der Auswahl der privaten Rechtsschutzversicherung

Ärger mit den Nachbarn, mit dem Vermieter oder mit dem Arbeitgeber kann im schlimmsten Fall zu einem Gerichtsverfahren führen, das meistens mit hohen Kosten verbunden ist. Eine private Rechtsschutzversicherung kann diese finanzielle Belastung vermindern oder sogar vermeiden. Außerdem übernimmt sie in der Regel auch die Kosten für Beratungen und Mediationen, sodass oftmals ein Gerichtsprozess vermieden werden kann. Wir erläutern in unserem Ratgeber hier auf volders.de, welche Leistungen in der Regel durch die private Rechtsschutzversicherung übernommen werden und wie du die optimale Versicherung findest.

Warum ist eine private Rechtsschutzversicherung empfehlenswert?

Das Risiko, als Privatperson in einen Rechtsstreit verwickelt zu werden, ist relativ hoch. So hatten zum Beispiel Zivilgerichte nach Daten des Statistischen Bundesamtes allein im Jahr 2015 fast 1.424.000 neue Fälle zu verzeichnen und bei Familiengerichten wurden rund 655.000 Verfahren angestrengt. Hinzu kommen Verfahren, die vor Straf-, Finanz-, Arbeits- und Sozialgerichten ausgetragen werden. Die Gründe für Rechtsstreitigkeiten sind vielfach und betreffen beispielsweise Scheidungen, Erbangelegenheiten, Probleme mit dem Arbeitgeber oder dem Jobcenter sowie Streitigkeiten im Verkehrsrecht. Häufig sind Gerichtsverfahren mit hohen Kosten verbunden, denn nicht nur der eigene Anwalt muss bezahlt werden, sondern auch Zeugen und Gutachter können gegebenenfalls Kosten verursachen. Rund 10.000 Euro können beispielsweise für eine Kündigungsklage zusammenkommen - ein Betrag, den kaum jemand einfach so übrig hat. Eine private Rechtsschutzversicherung abzuschließen, ist daher höchst empfehlenswert, sofern die Beiträge das eigene Budget nicht sprengen.

Hinweis: Lies auch unseren Ratgeber "Rechtsschutzversicherung wechseln". In diesem erfährst du, wann der Wechsel einer bereits bestehenden Versicherung möglich ist und auch das Sonderkündigungsrecht bei der Rechtsschutzversicherung wird näher erläutert.

Wenn du dir den Privatrechtsschutz selbst nicht leisten kannst - Antrag auf Prozesskostenhilfe

Gehörst du zu einem Personenkreis, der nur über geringe Mittel und keine private Rechtsschutzversicherung verfügt, hast du unter gewissen Umständen gemäß § 114 S. 1 ZPO (Zivilprozessordnung) Anspruch auf eine Prozesskostenhilfe durch den Staat, die für fast alle Verfahren beantragt werden kann. Eine Ausnahme besteht bei strafrechtlichen Verfahren, bei denen dem Angeklagten ein Pflichtverteidiger zugewiesen wird. Wird deinem Antrag auf Prozesskostenhilfe zugestimmt, übernimmt der Staat nicht nur die Gerichtskosten, sondern auch die Gebühren für den eigenen Anwalt. Die Anwaltskosten für die gegnerische Seite werden allerdings nicht bezahlt, falls du den Prozess verlierst. Für diese musst du dann selbst aufkommen.

Die private Rechtsschutzversicherung - Diese Leistungen kannst du erwarten

Wie auch bei anderen Versicherungsarten können sich die Leistungen bei der Rechtsschutzversicherung je nach Versicherungsunternehmen stark unterscheiden. Auch im Privatrechtsschutz ist ein Vergleich daher unbedingt anzuraten. In der Regel werden jedoch die folgenden Leistungen innerhalb der privaten Rechtsschutzversicherung durch jeden Versicherer gewährt:

  • Übernahme von Kosten für Gerichtsverfahren, einschließlich der Kosten für Sachverständige, Zeugen oder einen Gerichtsvollzieher
  • Kostenübernahme für die Erstberatung durch einen Rechtsanwalt
  • Kostenübernahme für den eigenen Anwalt bei einem Rechtsstreit
  • Übernahme der Kautionskosten bei einer Strafsache
  • Kostenübernahme für weitere Kosten, wie beispielsweise die Übersetzung wichtiger Unterlagen auch bei Verfahren im Ausland
  • Übernahme von Kosten der Gegenseite bei verlorenem Prozess, beispielsweise für den gegnerischen Anwalt
Tipp: Einige Versicherungsunternehmen bieten einen erweiterten Leistungskatalog an und zahlen zum Beispiel auch die Reisekosten. Versicherungsexperten empfehlen daher bei einem Vergleich auch privat die Rechtsschutzversicherung in erster Linie nach ihren Leistungen und erst dann nach den Versicherungsbeiträgen zu beurteilen.

Wichtige Aspekte bei der Auswahl der privaten Rechtsschutzversicherung

Für den Vergleich von Versicherungsangeboten steht dir im Internet eine Reihe von Vergleichsportalen zur Verfügung. Für die Vergleiche lassen sich in der Regel verschiedene Parameter auswählen, sodass die Ergebnisse auf deine individuellen Ansprüche zugeschnitten sind. Die wichtigsten Aspekte, auf die du dein Augenmerk richten solltest, werden wir dir nun erläutern:

Laufzeit

Die meisten Versicherer bieten Laufzeiten zwischen ein bis drei Jahre an und reduzieren die Beiträge bei längerer Vertragsdauer. Außerdem hast du in diesem Fall meistens eine Beitragsgarantie. Andererseits macht dich eine kürzere Laufzeit flexibler hinsichtlich eines Versicherungswechsels.

Deckungssumme

In der Regel werden Rechtsschutzversicherungen mit Deckungssummen zwischen 100.000 bis 300.000 Euro angeboten. Welche Summe du wählst, schätzt du selbst anhand deines Risikos ein. Wenn du die private Rechtsschutzversicherung durch weitere Komponenten wie den Berufs- oder Verkehrsrechtsschutz erweiterst, solltest du die Summe etwas höher ansetzen.

Leistungen

Eine Rolle bei der Auswahl der Rechtsschutzversicherung können auch zusätzliche Leistungen spielen, die neben den Standardleistungen gewährt werden. Interessant sind hier zum Beispiel diese:

  • es werden Leistungen für Streitfälle gewährt, deren Ursache bereits vor Beginn der Versicherung liegt
  • du hast freie Rechtsanwaltswahl
  • der Versicherer übernimmt die Kosten für telefonische Anwaltsauskünfte, auch wenn es um Risiken geht, die eigentlich nicht mitversichert sind
  • im Falle von Arbeitslosigkeit stimmt der Versicherer einer Reduzierung der Beiträge zu
  • der Rechtsschutz wird sofort nach Versicherungsbeginn ohne die übliche Wartezeit von drei Monaten gewährt

Selbstbeteiligung

Unter Selbstbeteiligung wird die Summe verstanden, die du im Versicherungsfall selbst trägst, bevor der Versicherer die weiteren Kosten übernimmt. Manche Versicherer verzichten auf die Selbstbeteiligung bei der Erstberatung durch einen Anwalt oder wenn der Fall durch Mediation gelöst werden kann. Du kannst üblicherweise eine Selbstbeteiligung zwischen 100 bis 500 Euro wählen.

Beiträge

Die Höhe der Beiträge hängt von der Laufzeit, der Deckungssumme, der Zahlweise und der gewählten Selbstbeteiligung ab. Achte allerdings nicht nur auf die Beitragshöhe, sondern setze sie in Relation zu den Leistungen des Versicherers.

Zahlweise

Die Versicherer räumen in der Regel Rabatte ein, wenn du den Versicherungsbeitrag jährlich, statt monatlich oder halbjährlich, zahlst.

Zusatzkomponenten zur privaten Rechtsschutzversicherung

Die private Rechtsschutzversicherung kann in Verbindung mit anderen Rechtsschutzversicherungen abgeschlossen werden. Die Wohnrechtsschutz- oder die Berufsrechtsschutzversicherung gibt es sogar nur zusammen mit dem Privatrechtsschutz. Häufig liegen die Beiträge von Versicherungskombinationen sogar nur unwesentlich höher, als für die Einzelversicherung. Daher ist es sinnvoll, verschiedene Kombinationen miteinander zu vergleichen. Meistens werden folgende Pakete zusammen angeboten:

  • Privat- und Berufsrechtsschutz
  • Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz
  • Privat-, Berufs- und Wohnrechtsschutz
  • Privat-, Berufs-, Wohn- und Verkehrsrechtsschutz

Fazit: Eine private Rechtsschutzversicherung ist zwar nicht verpflichtend, kann aber im Streitfall viele Kosten und damit auch Stress und Ärger ersparen. Da sich die Angebote der Versicherer teils stark unterscheiden, lohnt sich vor dem Abschluss eines Versicherungsvertrags der Vergleich verschiedener Anbieter und Tarife. Ratsam ist es, verschiedene Versicherungspakete zu vergleichen, um individuelle Risiken besser abzudecken.

Tipp: Du hast bereits eine Rechtsschutzversicherung, möchtest aber von besseren Leistungsangeboten oder geringeren Beiträgen profitieren? Dann registriere dich für unseren kostenlosen Kündigungsservice. Wir erinnern dich rechtzeitig an die Kündigungsfristen und unterstützen dich mit Musterschreiben sowie einem Versandservice.

Bild von Heike Jestram

Autorin ist Heike Jestram

Heike Jestram arbeitet als Autorin in Berlin. Seit 2016 unterstützt sie volders und schreibt Ratgeber
zu Verträgen und Kündigungen. Durch den digitalen Vertragsassistenten können
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